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Brambrüeschbahn: Zeit für einen geschlossenen Rücktritt

Die Reaktion der Führung der Bergbahnen Chur-Dreibündenstein AG auf das Abstimmungsresultat zur Direktverbindung nach Brambrüesch ist bemerkenswert – allerdings nicht im positiven Sinn. Statt nach einer klaren Niederlage an der Urne Selbstkritik zu üben, wird nun das Nein-Komitee aufgefordert, Lösungen zu liefern. Diese Haltung ist nicht nur realitätsfremd, sondern zeugt von einer bemerkenswerten Arroganz.

Über Jahre hinweg hat die Führung der Bergbahnen alles auf eine einzige Karte gesetzt. Ein Plan B? Fehlanzeige – das wurde offen kommuniziert... Wer ein Infrastrukturprojekt dieser Grössenordnung verantwortet und gleichzeitig keinerlei Alternative vorbereitet, handelt schlicht fahrlässig.

Die Bevölkerung von Chur hat entschieden. Mit einer klaren Mehrheit wurde ein Projekt über 40 Millionen Franken abgelehnt. Das ist keine Randnotiz, sondern ein deutliches Misstrauensvotum gegenüber der bisherigen Strategie. Wer daraus nichts anderes ableitet, als die Verantwortung den politischen Gegnern zuzuschieben, zeigt vor allem eines: mangelndes Verantwortungsbewusstsein.

Besonders befremdlich ist die Erwartung, dass ausgerechnet jene Kräfte, die vor den Risiken und Kosten gewarnt haben, das Problem lösen sollen. So funktioniert Verantwortung nicht. Verantwortung trägt zuerst jene Führung, die das Projekt geplant, propagiert und jahrelang als einzig mögliche Lösung verkauft hat.

Wenn ein Management nach sieben Jahren Arbeit mit leeren Händen dasteht, ohne Alternative und ohne Rückhalt an der Urne, dann stellt sich zwangsläufig eine Führungsfrage. Wer Verantwortung ernst nimmt, zieht in einer solchen Situation Konsequenzen.

Für einen echten Neuanfang bei den Churer Bergbahnen wäre deshalb ein geschlossener Rücktritt der heutigen Führung der ehrlichste Schritt. Wenn Brambrüesch eine Zukunft verdient, dann mit neuen Ideen, neuer Glaubwürdigkeit und Personen, die bereit sind, auch kritische Stimmen ernst zu nehmen.

Venanzi Vincenz
09.03.26 - 08:41 Uhr
Leserbrief
Ort:
Lenzerheide
Zum Artikel:
Brambrüesch-Abstimmung: BCD-Führung sieht nun das Nein-Komitee in der Verantwortung
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Nachdem man behauptet hat, dass eine Erneuerung des oberen Teils der Bahn teurer zu stehen kommt als eine Direktverbindung, hätte man sich mit einem Plan B ad absurdum geführt. Man es wohl als gegeben betrachtet, dass das Churer Volk zu allen Mamutprojekten ja sagt. Da besteht noch Hoffnung.

@Patrick Bergbahnen Chur Dreibündenstein - Haben Sie den Leserbrief gelesen? Dort steht doch, WER in der Verantwortung stehen tuen täten müsste würde. Aber Sie toppen die Erkenntnsresistenz noch mit Ihrem Draufsatteln. Abgesehen davon, dass (nicht nur) ich in damaligen Kommentaren Lösungen aufgezeigt habe. Der Witz ist halt, dass die Initianten das Ultra-Maximum (ist es die heutzutage verbreitete Gier?) wollten, daher selber keine Alternative anboten, es als Muss lancierten. Im Wilden Westen hätte man gesagt: Zu hoch gepokert.

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