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Unsere Kinder. Wir sind bereit – seid ihr es auch?

Zwischen Erinnerung und Verantwortung: Die Jugend antwortet
Haben wir unseren Kindern je wirklich gezeigt, wie gut es uns einst ging?
Dass die Sonne wärmte – nicht von Angst verdunkelt?
Dass Familie trug, auch wenn sie nicht perfekt war?
Dass man am Tisch sass, sprach, zuhörte – statt nebeneinander zu schweigen?

Haben wir ihnen gezeigt, dass Zeit ein Geschenk ist?
Dass Worte Gewicht haben?
Dass Arbeit Mühe bedeutet – aber auch Würde?
Dass man eine Lehre macht, um auf eigenen Füssen zu stehen?
Dass Geld notwendig ist – aber niemals das Gewissen ersetzen darf?

Haben wir ihnen gesagt, dass sauberes Wasser fliesst?
Dass keine Sirenen heulen, keine Bomben fallen?
Dass Frieden ein zerbrechliches Privileg ist?
Haben wir Toleranz, Empathie und Respekt nicht nur gepredigt, sondern gelebt?
Dass Demokratie Einsatz verlangt – dass Freiheit nur bleibt, wenn man sie nutzt?

Kinder: Wir haben Ihre Fragen gelesen. Wir hören sie.
Aber glauben Sie nicht, dass wir das alles nicht verstanden hätten.

Wir wissen, dass Frieden zerbrechlich ist.
Wir sehen die Bilder aus Kriegsgebieten, verfolgen politische Entwicklungen, diskutieren über Demokratie, Extremismus, soziale Spannungen.
Wir wissen, dass sauberes Wasser, Sicherheit, freie Wahlen keine Selbstverständlichkeiten sind.
Uns ist bewusst, dass Freiheit Einsatz verlangt – auch von uns.

Doch hören Sie uns auch zu?
Sie sprechen von Gesprächen – und nennen uns zu laut.
Sie sprechen von Empathie – und halten uns für überempfindlich.
Sie sprechen von Demokratie – und kritisieren uns, wenn wir Missstände benennen oder demonstrieren.

Sie fordern Verantwortung. Wir sind bereit.
Aber viele Herausforderungen – Klimakrise, soziale Ungleichheit, wirtschaftliche Unsicherheit, globale Spannungen – sind nicht von uns geschaffen worden.
Wir tragen sie dennoch. Und wir werden mit ihnen leben müssen.

Ja, wir leben im Wohlstand.
Doch dieser Wohlstand fühlt sich nicht sicher an.
Wir spüren Druck, Zukunftsangst, Sorge um Stabilität.

Wir wollen keine nostalgische Verklärung der Vergangenheit.
Wir wollen Orientierung. Wir wollen wissen, wie wir gemeinsam Lösungen finden.
Wir wollen nicht nur Erben sein – wir wollen Mitgestalter werden.
Vertrauen statt Tadel. Zusammenarbeit statt Vergleich.

Ja, wir haben verstanden.
Jetzt geht es darum: Handeln wir gemeinsam?
Lassen Sie uns sprechen. Auf Augenhöhe.

Marco Mazzucchi
24.02.26 - 22:51 Uhr
Leserbrief
Ort:
Chur
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