Projekt Brambrüesch – im Faktencheck mit Peter Engler
Brambrüeschbahn: Werbung als Faktencheck getarnt
In der "Südostschweiz" vom Samstag, 21. Februar, dürfen wir Churerinnen und Churer eine halbe Anzeigeseite eines Verwaltungsrats der Bergbahnen Chur Dreibündenstein AG lesen. Eine berechtigte Frage drängt sich auf: Wie finanziert ein Unternehmen, das seit rund 30 Jahren auf städtische Subventionen angewiesen ist, eine solche Abstimmungskampagne?
Über dem Interview steht «Im Faktencheck». Tatsächlich handelt es sich um eine Selbstdarstellung mit Werbecharakter. Wenn ein Verwaltungsrat sein eigenes Projekt beurteilt, ist das kein Faktencheck – es ist Eigenmarketing.
«33,7 Millionen Franken» werden als «beste Lösung» präsentiert. Dass wir am 8. März faktisch über ein Projekt abstimmen, das im besten Fall 40,6 Millionen Franken kostet, wird rhetorisch weichgezeichnet. Alternativen seien «teurer», Risiken angeblich beherrschbar. Doch wo sind die transparenten Sensitivitätsanalysen? Wo das Szenario für einen schneearmen Winter? Wo die ehrliche Darstellung eines Worst Case? Wer 40.6 Millionen Franken öffentliches Geld beansprucht, schuldet der Bevölkerung mehr als Zuversicht.
Besonders irritierend ist die Dramatisierung: «letzte Chance», «umsetzungsreif», «Experten geben uns recht». Diese Sprache ersetzt sachliche Auseinandersetzung durch moralischen Druck. Wer kritisch nachfragt, gilt implizit als Totengräber des Hausbergs.
Und dann das Beruhigungsmittel für Steuerzahlende: Eine allfällige Steuererhöhung sei «nicht allein diesem Projekt geschuldet». Das ist ungefähr so tröstlich wie zu hören, dass das Leck im Boot nicht der einzige Grund ist, warum es sinkt.
Zur Einordnung der Zahlen: Einer indexierten Einsparung beim Stadtbeitrag von rund 390'000 Franken pro Jahr steht eine Investition von 40,6 Millionen Franken gegenüber. Das ist keine betriebswirtschaftliche Logik, das ist Hoffnung mit Zahlenetikette.
Und zur oft wiederholten Behauptung, die Anlagen am Berg seien «auf dem neuesten Stand»: Der Skilift Brambrüesch–Hühnerköpfe stammt aus dem Jahr 1959, der Sessellift Hühnerköpfe–Dreibündenstein aus 1969. Beide Anlagen sind technisch überaltert und erreichen nicht annähernd die Förderkapazität der geplanten neuen Verbindung. Hinzu kommen 800 Meter Fussmarsch in voller Skiausrüstung von der Bergstation zum Lift – weil die sogenannte Tschu-Tschu-Bahn die nötige Transportleistung schlicht nicht erbringt.
Ein Hausberg bleibt ein Hausberg – auch ohne infrastrukturelles Grossprojekt.
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Bereits Abonnent? Dann schnell einloggen.
Ganz genau Herr Müller, mir…
Ganz genau Herr Müller, mir standen auch die Haare zu Berge ab diesen abstrusen Aussagen von VR Engler!
Als Verwaltungsrat mit der rosaroten Brille behaupten, dass der Skilift und Sessellift Dreibünden auf dem neusten Stand sind, ist doch Schnitzelbankwürdig.
Als Steuerzahler lehne ich diese Wundertüte ab und erfreue mich weiterhin am Hausberg Brambrüesch,, so wie er ist, die Anlagen sind ja auf dem neusten Stand!