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Wachstum auf Kosten der Stadt – die Brambrüeschbahn in Chur

Die Pläne für die neue Brambrüeschbahn wirken auf den ersten Blick wie ein Glanzstück moderner Tourismusentwicklung. Doch ist die neue Bahn, über die wir am 8.  März abstimmen, wirklich strategisch durchdacht und auf die Entwicklung der Stadt Chur und ihre Bewohner ausgelegt? Wohl kaum.

Die Initianten versprechen in den Abstimmungsunterlagen ein Wachstum von 30 Prozent in drei Jahren – von heute 100' 000 auf künftig 150 '000 Ersteintritte. Rechnen wir es durch: Bei einer Förderkapazität von 1 400 Personen pro Stunde würden an Spitzentagen bei einem 8-Stunden-Betrieb bis zu 11' 200 Personen die Bergmitte erreichen. Selbst wenn nur bis mittags transportiert wird, bleiben täglich über 5 600 Gäste übrig. Reisen von diesen Gästen 15 Prozent mit dem Auto an, was üblich ist bei viel Gepäck (Ski, Snowboard, Bikes), bedeutet das ein Verkehrsaufkommen von 840 Fahrzeuge im Zentrum von Chur – für die ohnehin schon verkehrsüberlastete Stadt.

Wo sollen diese Autos parken? Die Stellplätze in den Parkhäusern im Zentrum sind schon heute begrenzt: City Parkhaus 420, Stadtbaumgarten 402, Lindenequai 296 und Arcas 116 Parkfelder. Selbst wenn die Stadt Chur das Park-and-Ride auf der Oberen Au mit 950 Plätzen einbezieht, muss der Gast bereit sein, zusätzliche Kosten für Bus und Parkgebühren zu tragen. Bleibt die Frage: Soll die Stadt die Autos auf dem überbauten Stadthalleareal stapeln? Oder folgen in unmittelbarer Zukunft weitere Millioneninvestitionen auf dem Platz Chur, die der Steuerzahler finanzieren darf?

Bedroht der zusätzliche Verkehr der neuen Brambrüeschbahn die Lebensqualität der Anwohner an der Kasernenstrasse? Wird der Handel in der Stadtmitte Umsatz verlieren, weil das Zentrum von Chur kaum noch erreichbar sein wird? Was sich überzogen liest, ist längst Realität: Morgens wie abends stehen viele Autofahrer in Chur im Stau – ein inzwischen normaler Zustand, wie in vielen anderen Schweizer Städten, denn der Fahrzeugbestand hat auch in der Schweiz massiv zugenommen. Dieser Zustand dürfte sich mit der neuen Bahn zuspitzen.

Das Bahnprojekt mag modern glänzen, aber Talparkplätze, Verkehrsführung und städtische Lebensqualität bleiben ungelöst. Wer wirklich an Brambrüesch denkt, sollte zuerst die Grundlagen klären – nicht einfach auf ein paar glänzende Gondeln setzen.

Ein Nein zur neuen Brambrüeschbahn ist kein Widerstand gegen Fortschritt, sondern ein Appell an Vernunft und Lebensqualität.

Karin Moham
19.02.26 - 06:46 Uhr
Leserbrief
Ort:
Flims Waldhaus
Zum Artikel:
Kampf um die Zukunft der Brambrüeschbahn
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