40 Millionen für 2,5 Millionen Umsatz – Romantik ist kein Geschäftsmodell!
Über 40 Millionen Franken in ein Bergbahnunternehmen zu investieren, das 2,5 Millionen Franken Jahresumsatz erzielt und weniger als 10 Ganzjahresstellen beschäftigt, mag emotional nachvollziehbar sein. Wirtschaftlich ist es jedoch – nüchtern betrachtet – kaum zu rechtfertigen.
Die Investitionssumme entspricht dem 16-fachen Jahresumsatz. Selbst bei einer ausgesprochen optimistischen Gewinnmarge von 20 Prozent resultierten jährlich 500'000 Franken Gewinn. Die Amortisationsdauer läge damit bei 80 Jahren – Finanzierungskosten, Unterhalt, künftige Ersatzinvestitionen und konjunkturelle Schwankungen nicht eingerechnet. Wer unter solchen Parametern von «nachhaltiger Finanzierung» spricht, betreibt Schönfärberei.
Geplant ist eine nahezu identische Linienführung wie zur Gründerzeit der Bahn in den 1950er-Jahren – als hätte sich das Klima seither nicht verändert. Die vergangenen Winter am Churer Hausberg zeigen jedoch deutlich, dass Schneesicherheit kein Geschäftsmodell mehr ist. Dazu kommen veraltete Anlagen aus den 50er- und 60er-Jahren am Berg. Fallen sie aus, fällt das Wintergeschäft – und damit rund 50'000 Ersteintritte. Für dieses Bähnli wäre das existenziell. Und dann? Der nächste Ruf nach der Stadtkasse?
Ohne belastbares Wachstumskonzept – etwa durch Kooperationen oder strukturelle Einbettung in eine starke Destination wie Arosa-Lenzerheide – bleibt das Projekt ein Hochrisikoengagement. Und Hochrisikoengagements gehören in private Venture-Capital-Portfolios, nicht in die Verantwortung von Steuerzahlenden.
Regionale Entwicklungspolitik darf nicht mit Wunschdenken verwechselt werden. Wenn öffentliche Gelder im Spiel sind, gelten strengere Massstäbe, nicht lockerere. Jeder investierte Franken fehlt in der Stadt Chur – in Schulen, Pflege, Sporteinrichtungen, Kultur oder Steuerentlastungen.
Es ist legitim, für den Erhalt einer Bergbahn zu kämpfen. Aber es ist ebenso legitim, nach der ökonomischen Vernunft zu fragen. Heimatgefühl ersetzt keine Rendite, und Hoffnung ersetzt keinen Businessplan. Wer 40 Millionen Franken einsetzt, schuldet der Öffentlichkeit mehr als Begeisterung und emotionale Worte: Er schuldet ihr belastbare Zahlen, transparente Risiken und ein realistisches Szenario für die Zukunft.
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Wie geht‘s auf der Insel…
Wie geht‘s auf der Insel Venna? Brambrüesch ist eine subventionierte Churer Freizeiteinrichtung wie die Sportanlagen in der Oberen Au oder die Stadtbibliothek. Nur viel günstiger: pro Benutzer zahlt die Stadt für Brambrüesch 3 Franken. Für die Bibliothek 5 Franken und für die Obere Au 20 Franken. Und natürlich gibt es einen Businessplan. Der ist so gut, dass zwei namhafte Banken das Panoramarestaurant finanzieren würden. Kennst du als Gastronom eine Bank, welche einem Restaurant heute noch Geld gibt? Ich nicht. Ja für Brambrüesch am 8. März!
Subventionsvergleiche ohne…
Subventionsvergleiche ohne Bodenhaftung
Die von Reto Küng angeführten Pro-Kopf-Subventionen sind eine gefährliche statistische Spielerei, die die ökonomische Realität verzerrt. Ein professioneller Blick auf die Fakten entlarvt das 40-Millionen-Bähnli als ein Risiko, das weit über den Betrieb einer Bibliothek hinausgeht:
• Der «Äpfel-Birnen»-Vergleich: Eine Stadtbibliothek oder eine Sportanlage sind reine Service-Public-Einrichtungen zur Grundversorgung der lokalen Bevölkerung. Die Chur Dreibündenstein AG, bei welcher die Stadt Chur zusammen mit dem Bürgergemeinde Chur zusammen 12.95% der Aktion hält, ist ein touristisches Wirtschaftsunternehmen in einem hochkompetitiven Markt. Während die Bibliothek Bildung für alle garantiert, subventioniert Chur hier eine Bergbahn die vor allem im Sommer mehrheitlich von auswärtigen Gästen genutzt wird.
• Investition vs. Betrieb: Die Rechnung von «3 Franken pro Benutzer» verschweigt die gewaltige Kapitalbindung. Wir sprechen hier nicht von laufenden Betriebskosten, sondern von einem 40.6-Millionen-Franken-Kredit. Bei einem Jahresumsatz von nur 2,5 Millionen entspricht dies dem 16-fachen Ertrag. Welches KMU würde eine Investition tätigen, deren Amortisation bei über 80 Jahren liegt?
• Das Banken-Märchen: Wenn zwei Banken bereit wären, das Panorama-Restaurant auf dem Fülian zu finanzieren, stellt sich die entscheidende Frage: Warum tun sie es dann nicht privatwirtschaftlich? Warum ist davon nichts zu lesen in den Abstimmungsunterlagen? Wenn der Businessplan so exzellent ist, bräuchte es keinen Franken Steuergeld als Absicherung. Dass Banken heute Restaurantkredite vergeben, ist an harte Sicherheiten und Eigenkapital geknüpft – beides fehlt der BCD AG ohne den städtischen «Honigtopf».
• Strategische Sackgasse: Was nützt die schönste Finanzierung für ein Restaurant, das im Winter mangels Schnee für die Masse gar nicht erreichbar ist? Ein Restaurant ohne funktionierende Zubringer-Infrastruktur am Berg ist kein Businessplan, sondern eine hochalpine Fehlinvestition.
Fazit: Emotionale Verbundenheit ist kein Ersatz für wirtschaftliche Tragfähigkeit. Wer eine Bibliothek mit einem Bergbahnbetrieb vergleicht, verkennt die strukturelle Krise einer Branche, die vor dem Hintergrund des Klimawandels mit herkömmlichen Rezepten nicht mehr zu retten ist.