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Subvention statt Verantwortung: Der wahre Skandal im Bündner Tourismus

In den letzten Monaten überschlagen sich die Schlagzeilen im Tourismus. Jammern über rückläufige Zahlen, fehlenden Schnee, steigende Kosten. Die eigentliche Frage wird aber ausgeblendet: Erleben wir gerade eine Tourismuskrise – oder das Resultat jahrelangen Missmanagements?

Seit wann gehört es zu den Kernaufgaben von Gemeinden, marode Tourismusprojekte zu retten? In Graubünden wird derzeit munter Steuergeld verteilt: Flims-Laax-Falera stützt seine Bergbahnen mit rund 100 Millionen Franken. In Splügen wird eine neue Beschneiungsanlage für die Tambo-Bergbahnen finanziert. Im Prättigau sucht man verzweifelt einen Privatinvestor für die Fideriser Heuberge. In Savognin will die Gemeinde die Hotelruine "Cube" kaufen und zur Jugendherberge umfunktionieren. Und als wäre das nicht genug, stimmt Chur am 8. März 2026 über eine Zubringerbahn nach Brambrüesch ab – ein über 40-Millionen-Franken-Projekt ohne wirtschaftliche und klimatische Perspektive. Bezahlt von den Steuerzahlern.

Die entscheidende Frage lautet: Wo endet das? Wenn Kommunen Tourismusunternehmen retten, wecken sie neue Begehrlichkeiten in der Wirtschaft. Was passiert, wenn morgen der Bausektor, Finanzen, Handel oder Industrie bei den Gemeinden anklopfen? Werden dann ebenfalls Millionen verteilt? Und unter welchen Kriterien beurteilen wir die Anfragen?

Dass es touristisch anders geht, beweist San Bernardino. Nach über zehn Jahren Stillstand erwacht die Destination zu neuem Leben – finanziert nicht durch Steuergelder, sondern durch privates Kapital. Stefano Artioli investiert rund 300 Millionen Franken in seine Vision einer Top-Destination. Auf eigenes Risiko. Ohne Staatsgarantie. So funktioniert Tourismus. So funktioniert Marktwirtschaft.

Alles andere ist Planwirtschaft auf Kosten der Allgemeinheit. Darum braucht es am 8. März ein klares Zeichen in Chur: Nein zur Brambrüeschbahn.

Jürg Maissen
09.02.26 - 17:06 Uhr
Leserbrief
Ort:
Lenzerheide
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Mag sein, aber ganz so einfach ist sind halt Fördergelder nicht von der Hand zu weisen, den es geht um Arbeitsplätze, ob an den Liften (wo Einheimische über die Wintermonate ein Einkommen haben) in der Gastronomie und in den Skischulen, die viel zur künftigen Schneesportnation Schweiz beitragen. Investoren, die in den Wintertourismus investieren sind rar, doch müsste ein eine dem Klimawandel und den finanziellen Ressourcen geschuldete Tourismusstrategie von Seiten der Verantwortlichen und der Politik betrieben werden.

Ein Aspekt des Kuchens bleibt unberücksichtigt. die Klimaerwärmung. Sie ist bereits vorhanden und schreitet voran. Solange der Vorsitzende einer lautstarken und volksnahen Partei von einer Klimahysterie spricht, werden dumme Bürger Ja zu sinnlosen Investitionen sagen.
Akzeptieren wir endlich: Es wird höllisch warm werden und Schnee wird es nicht mehr geben.

Top-Leserbrief.
Im Bergbahnen-Tourismus-Moloch GR scheinen "Beziehungen" wichtiger als Weitsicht.
Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren.
Das Direktdemokratievolk macht das erstaunlicherweise mit.
Wozu sollen "Unternehmer" (Subventions-Empfänger) denn da noch offen sein für Brainstorming, so wie ich es seit jeher fordere, auch für meine konkreten Inputs, leider vergeblich.

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