Postauto Graubünden: Abschaffung des Bargelds auf Kosten der Fahrgäste
Seit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember können Fahrgäste ihr Postauto-Billett nicht mehr beim Chauffeur lösen. Die Bezahlung mit Münz oder Nötli? Ebenfalls nicht mehr möglich. Stattdessen muss das Billett per App oder am Automaten gekauft werden – und zwar bargeldlos. Wer nicht digital bezahlen kann oder will, bleibt auf der Strecke. Wortwörtlich. Das ist kein Fortschritt, sondern Schikane.
Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Sie ist dort sinnvoll, wo sie den Menschen das Leben erleichtert. In unserem Kanton ist jedoch das Gegenteil passiert. Digitalisierung wird nicht als zusätzliches Angebot eingeführt, sondern als verbindlicher Zwang. Wer mit dem Postauto von A nach B fahren will, hat dies künftig bargeldlos zu tun. Begründet wird dieser Schritt mit mehr Effizienz: Chauffeure sollen entlastet, Haltezeiten verkürzt und Abläufe standardisiert werden. Das mag aus organisatorischer Sicht pragmatisch und logisch erscheinen. Für die Kundinnen und Kunden bedeutet es vor allem eines: höhere Hürden. Gerade im öffentlichen Verkehr, der allen offenstehen soll, wiegt das schwer. Er ist keine Testumgebung für Prozessoptimierung, sondern eine Grunddienstleistung. Und Grunddienstleistungen müssen für alle funktionieren – nicht nur für jene, die digital mithalten können.
Wer kein Smartphone hat, keine Kreditkarte nutzt, mit Automaten Mühe hat oder schlicht bar bezahlen will, wird künftig bei der Postauto AG systematisch ausgeschlossen und benachteiligt. An diesem Punkt kippt Modernisierung in Bevormundung. Wer genauer hinschaut, erkennt, dass die Umstellung ganze Bevölkerungsgruppen faktisch ausschliesst: ältere Personen, Menschen mit körperlichen Einschränkungen, Kinder – und all jene, die bewusst bar bezahlen wollen. Wenn ein staatlicher Betrieb seine bar zahlenden Kundinnen und Kunden unter dem Deckmantel von mehr Effizienz nicht mehr als Anspruchsberechtigte, sondern als Störfaktoren wahrnimmt, sollte uns das zu denken geben.
Thomas Bigliel, alt Grossrat Landquart
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Es ist immer die Mischung aus Macht und Ideologie, wegen der man nicht ernst genommen wird. Egal, ob bei Big Tech, Verkaufsplattformen, Banken oder Versicherungen.