Bezahlen ohne Bargeld: eine Diskriminierung
Frau Pierina Hassler schreibt in ihrem Kommentar «Fortschritt verlangt Anpassung», dass das Bezahlen ohne Bargeld keine Diskriminierung darstellt. Ihre Definition für Diskriminierung ist, Zitat «die systematische Herabwürdigung von Gruppen». Genau das passiert ja, wenn wir das Bargeld nicht als Zahlungsmittel mehr akzeptieren. Kinder, arme Menschen die sich kein neues Smartphone leisten können wo Bezahlapps wieder funktionieren, ältere Menschen und Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen die nicht ohne äussere Hilfe digitale Zahlungsmittel nutzen können und Menschen die sich nicht in den digitalen Zahlungsdschungel begehen wollen, genau diese Gruppen werden, mit den Worten von Pierina Hassler, systematisch herabgewürdigt.
Für viele Menschen ist es einfach digitale Zahlungsmittel zu nutzen. Diese Menschen dürfen das auch tun. Für einen beträchtlichen Anteil der Bevölkerung allerdings, sind digitale Zahlungsmittel ein richtiger Zahlungsdschungel mit dem sie nicht zurechtkommen oder in den sie sich aus persönlichen Gründen nicht begehen möchten.
Zuerst mal braucht man ein Smartphone und dann braucht man mal eine Bezahlapp für etwas und für etwas anderes wieder eine Bezahlapp. Einmal braucht man eine funktionierende Bankkarte und dann wieder ein Entwertungsticket für irgendetwas. Kurz gesagt, digital zu bezahlen ist nicht einfach und überfordert viele Menschen. Für viele Menschen hat die Digitalisierung Vereinfachung gebracht, für andere wird das Leben wieder komplizierter.
Dabei darf man aber nie vergessen, dass das Bezahlen mit Bargeld eine ganz simple Sache ist. Man hat Noten und Münzen, man kann damit zahlen und bekommt wieder Noten und Münzen zurück. Man braucht dafür nicht mal eine Steckdose oder Internetanschluss. Eine ganz simple Sache, die schon Jahrtausende funktioniert. Barzahlung bedeutet für viele Menschen ein grosses Stück Autonomie. Diese Autonomie darf niemandem weggenommen werden und es darf niemand deswegen diskriminiert werden. Darum muss dafür gesorgt werden, das erwarte ich von der Politik, dass überall mit Bargeld bezahlt werden kann.
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Ich wünsche mir auch, dass ich in Zukunft selbst bestimmen darf, womit ich bezahlen will. An einigen Orten geht dies sogar in der Schweiz nicht mehr. Es besteht bei digitaler Bezahlung auch die theoretische Gefahr, dass der Staat - wie in China - kontrolliert, was ich kaufe. Dort kann der Staat auch gewisse Dienste ganz sperren, falls ein Bürger nicht staatstreu genug ist. Es kann eine gefährliche Abhängigkeit und Bespitzelung entstehen.
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Wenn es wenigstens unser Staat wäre. Stattdessen sind es autoritäre Big Tech-Konzerne und die Geheimdienste autoritärer Regimes. Mehr dazu in der sechsteiligen Podcastreihe "Cookiefalle" in News Plus Hintergründe von SRF.