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Bargeldlose Postautos

Der Kommentar von Pierina Hassler geht am Ziel völlig vorbei. Er reduziert die Kritik an der Abschaffung des Bargelds im ÖV auf Nostalgie und mangelnde Anpassungsbereitschaft. Doch genau darum geht es nicht. Es geht nicht um Technikfeindlichkeit, es geht um Teilhabe, Selbstbestimmung und Kontrolle.
Ich bin 25 Jahre alt und sehe mich selbst als Teil einer digital aufgewachsenen Generation. Trotzdem mache ich mir ernsthafte Sorgen um die Zukunft. Denn die Bargeldabschaffung betrifft nicht nur einzelne Gruppen, sie betrifft uns alle. Bargeld bedeutet Wahlfreiheit. Wer Bargeld abschafft, schafft Abhängigkeiten von Banken und von digitalen Systemen. Heute mag es vor allem ältere Menschen treffen, morgen aber jede und jeden von uns.
Wer keine App nutzen will, wer keine Datenspur hinterlassen möchte oder wer schlicht auf seinem Recht bestehen will, das offizielle Zahlungsmittel der Schweiz zu benutzen, verliert plötzlich diese Möglichkeit und das in einem Betrieb, der dem Bund gehört und somit uns allen, die Steuern zahlen.
Und was hier offensichtlich nicht verstanden wird: Bargeld ist stabil und gehört der Person, die es besitzt. Digitale Zahlungen hingegen durchlaufen unzählige Transaktionen, Gebühren und Systemkosten. Was heute 10 Franken sind, verliert dabei schrittweise an Wert zum Vorteil der Banken, nicht der Menschen.
Und das ist nicht der Anfang von Fortschritt, sondern der Anfang eines Problems.
Kein Bargeld bedeutet mehr Kontrolle, mehr Überwachung und weniger Selbstbestimmung. Wer nicht mitmacht, steht am Rand. Das hat nichts mit Modernität zu tun, sondern mit einer gefährlichen Verschiebung von Macht.
Fortschritt misst sich nicht daran, wie effizient ein System wird, sondern daran, ob Menschen ihre Freiheit behalten. Bargeld ist Freiheit. Und Freiheit darf man nicht leichtfertig aufgeben.

Ceiba Alpiger
30.12.25 - 15:06 Uhr
Leserbrief
Ort:
Zürich
Zum Artikel:
https://www.suedostschweiz.ch/mobilitaet/petition-postauto-ohne-bargeld…
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