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Schicksalsdorf Brienz

Die Brienzer Einwohnerinnen und Einwohner können einem leid tun. Eine Bewegung der Bergmassen oberhalb des Dorfes bedroht die Häuser und Ställe, sodass Gebote und Verbote den Aufenthalt im Dorf einschränken. Die öffentliche Hand bestimmt zusammen mit Sachverständigen und Fachexperten, wie die Brienzerinnen und Brienzer sich zu verhalten haben. Mit verschiedenen Hilfen, finanzieller und sozialer Art, werden die Betroffenen unterstützt. Medien berichten laufend über die Ereignisse am Berg. Es ist ungemütliche für alle Betroffenen. Der Bergdruck ist Symbol für den Druck auf die Psyche der Eigentümerinnen.
Wer sich entschieden hat, eine neue Existenz aufzubauen, bekommt finanzielle Hilfe und hat eine Perspektive für die Zukunft. Wer noch nicht an die Aufgabe des Dorfes glauben will, befindet sich täglich im inneren Kampf mit Realität und Hoffnung.
Die öffentlichen Institutionen übernehmen die Deutungshoheit über das Verfahren mit den verlassenen Häusern und Ställen, indem sie vorschreiben, dass bei einem definitiven Wegzug das Eigentum mit Kostenbeteiligung der Eigentümerin abgerissen werden müsse. Der Gesetzgeber vermutet den Missbrauch der Liegenschaften, die erneute Nutzung der Immobilien. Es könnten auch Kosten für die Instandhaltung zurückgebliebner Häuser entstehe.
Was wäre, wenn sich zwar der Bergsturz ereignete, das Dorf aber nur gering beschädigt würde, sich längerfristig eine beruhigte Lage ergäbe? Dann könnte man doch das Dorf, respektive einzelne unversehrte Häuser und Plätze, zum Erinnerungstreffpunkt herrichten. Ein internationales Forschungs- Orientierungs- und Informationszentrum zu „Bedrohungen im Alpenraum“ könnte aufgebaut werden. Familiengeschichten könnten vor Ort die Betroffenheit der Entwurzelten veranschaulichen. Besucher und Besucherinnen könnten sich am Ort des Geschehens selbst ein Bild von den Naturgewalten machen.
Spekulationen und Hoffnungen. Aber, man stelle sich vor, dass Maschinen die Häuser dem Erdboden gleich gemacht hätten und nicht der Felssturz.
Die Alpenregionen schauen dem ungewissen Werdegang von Berg, Dorf und Menschen von Brienz zu, in der Hoffnung auf einen von allen Seiten akzeptablen Ausgang.

Urs Wohlgemuth
25.11.25 - 18:15 Uhr
Leserbrief
Ort:
Chur
Zum Artikel:
Diverse über Bergsturz Brienz
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Seit Jahren frage ich, wie viele Millionen der Kanton vergeudet für "Entwässerungsstollen" und ähnlichen Widersinn, nicht nur in Brienz. Und jetzt kommt Urs Wohlgemuth, und will da noch ein "internationales Forschungs- Orientierungs- und Informationszentrum" betreffend "Bedrohungen im Alpenraum" draufsatteln.
Wozu?
Die "Bedrohungen im Alpenraum" würden durch Ihre "Massnahmen" nicht kleiner. Oder glauben Sie, Ihr "Internationales Forschungs- Orientierungs- und Informationszentrum" würde auch nur ein Mikro-µ daran ändern? Etwa den motorisierten Vergnügungsverkehr eliminieren oder auch nur senken?
Was ich sehe ist verkehrter Aktionismus, Fehlinvestitionen und fromme Wünsche. Aber Gläubigkeit hilft nicht, nur Logik.
Rat aus Autofahrer-Perspektive: Berg wegbaggern, dessen Grundfläche asphaltieren, und Brienz als weiteren Drive-in etablieren. Prädikat: Pädagogisch besonders wertvoll. Oje.
Weiteres Beispiel für Unlogik:
https://www.suedostschweiz.ch/graubuenden/strategie-langsamverkehr-kant…