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Die Welt im Klang einer Melodie

Seit nun mehr als 25 Jahren unterrichte ich leidenschaftlich Schwyzerörgli. In dieser Zeit durfte ich wohl gegen 200 Schülerinnen und Schüler begleiten – kleine und grosse Talente, Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen, Geschichten und Lebenswegen. Und immer wieder merke ich, wie Musik verbindet, ohne dass sie es gross erklären muss.

Am vergangenen Sonntag durfte ich mit sechs Kindern am Jahreskonzert des Jodelclubs Hochwang mitwirken. Ebenfalls auf der Bühne stand der Oberstufenchor Mittelprättigau. Es war ein Anlass, der mir noch lange in Erinnerung bleiben wird – nicht nur wegen der schönen Klänge, sondern vor allem wegen der Atmosphäre.

Schon lange bevor das Konzert begann, füllte sich die Kirche. Die Besucherinnen und Besucher waren ungewöhnlich früh da. Nicht aus Eile – sondern, so schien es mir, aus Wertschätzung. Aus Freude. Aus dem Bedürfnis, gemeinsam Zeit zu verbringen. Menschen aller Kulturen, Sprachen und Religionen sassen ganz selbstverständlich nebeneinander. Es gab keine Berührungsängste, keine Spannungen, kein Misstrauen. Nur ein ruhiges, friedliches Miteinander.

Die Darbietungen der Kinder und Jugendlichen wurden mit einer Wärme und Aufmerksamkeit aufgenommen, die mich berührt hat. Die Stimmung war getragen von Respekt, Freude und einem wohltuenden Gemeinschaftsgefühl. Für ein paar Stunden war die Welt ganz einfach, harmonisch, tolerant und voller gegenseitigem Verständnis.

So könnte sie aussehen, unsere Welt. Eine Welt, in der das Gemeinsame zählt. Eine Welt, in der Respekt nicht diskutiert, sondern selbstverständlich gelebt wird. Eine Welt, in der Begegnungen friedlich und offen sind.

Musik ist für mich eine Weltsprache. Sie braucht keine Übersetzung, keine politischen Diskussionen, keine religiösen Abgrenzungen. Sie schafft Nähe, wo manchmal Gräben sind. Und sie zeigt uns, wie einfach ein friedliches Zusammensein sein kann, wenn wir es nur zulassen.

Vielleicht könnte sich die Weltpolitik tatsächlich vieles von einem musikalischen Zusammensein abschauen. Im Klang einer Melodie steckt oft mehr Weisheit, als es manchem diplomatischen Gipfel je gelingen mag.

Andy Deflorin
24.11.25 - 21:50 Uhr
Leserbrief
Ort:
Castiel
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Sie haben Recht, Herr Deflorin. Ich spiele auch ein Instrument. Musik kann verbinden, aber leider auch trennen, da es verschiedene Musikstile gibt, wobei die Anhänger eines Musikstils sich oftmals nicht um andere Arten der Musik kümmern. Auf jeden Fall ist Musik solange positiv, als es nicht um Gewinne, sondern um Freude an den Klängen geht. Schade, dass es bei den von Ihnen erwähnten diplomatischen Gipfeln nicht um Gemeinsamkeiten geht, sondern darum, dass die Teilnehmenden ihre eigenen Interessen in den Vordergrund stellen und vor allem zu verhindern versuchen, dass "die Anderen" gewinnen.