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Vom Familienbetrieb zum Finanzobjekt - ein gefährliches Juso-Experiment

Mit grossem Interesse verfolge ich die Debatte um die Juso-Erbschaftssteuerinitiative. Dabei ist mir vermehrt aufgefallen, dass der massiven Bedrohung für mittlere bis grosse Schweizer KMU und deren Folgen zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Im Falle einer Annahme der Initiative wären Erbinnen und Erben von mittleren bis grossen Familienunternehmen gezwungen, diese unfreiwillig und kurzfristig zu verkaufen, da der Grossteil des Vermögens im Unternehmen gebunden ist. Bei den Käufern handelt es sich meist um profitorientierte Private-Equity-Firmen oder ausländische Investoren.

Dies führt zu drei Problemen:
Erstens muss die Technologie und Expertise mittelfristig nicht an das Hochlohnland Schweiz gebunden werden. Daher ist eine Verlagerung ins Ausland finanziell attraktiv. Folglich fliessen die Investitionen der Schweiz in Innovationen ins Ausland ab.

Zweitens hat die Profitorientierung Auswirkungen auf die Mitarbeitenden. Gering- bis mittelqualifizierte Mitarbeitende können kurz- bis mittelfristig ins Ausland verlagert werden, hochqualifizierte Stellen mittel- bis langfristig.

Drittens bedroht dies unsere erfolgreiche KMU-Kultur, in der der unternehmerische Anreiz sinkt.

Zusammengefasst wird das jetzige System ausverkauft und es entstehen weniger neue vergleichbare Unternehmen. Dies führt dazu, dass bestehende Arbeitsplätze verloren gehen und weniger neue geschaffen werden. Es trifft also die Menschen, die dort arbeiten.

Statt auf moderne und komplex eingebettete Probleme mit überlegten Lösungen zu reagieren, wirkt diese Initiative vielmehr wie ein Akt kollektiver Selbstgeisselung, um das eigene Gewissen zu beruhigen. Daher kann ich nur ein Nein empfehlen.

Andriu Decurtins
12.11.25 - 17:15 Uhr
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Ort:
Trun
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