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Was ist mit unserem Sommer los?

Was ist mit unserem Sommer los?
Ich liebe diese Regentage im Sommer. Ich weiß, liebe Leserinnen und Leser, was Sie jetzt denken: Dieser Mann hat nicht alle Tassen im Schrank. Nun diese Vorliebe für Regentage geht auf meine Kindheit zurück.
Damals in den 60ern war die Schule bei uns bereits am 21. April zu Ende und sie fing Mitte September wieder an. Es galt, diese lange Zeit zu nutzen. Mädchen und Buben, die nicht selber in einem Landwirtschaftsbetrieb aufwuchsen durften, mussten irgendwo in eine Bauernfamilie als Hilfskraft unterkommen. Der Lohn war Kost und Logis und im Herbst ein Paar Schuhe. Für die kinderreichen Familien von damals eine willkommene Entlastung der Haushaltskasse.
Auch damals gab es wochenlang diese Regentage. Die Bauern verzweifelten fast, denn sie konnten nicht heuen. Sie hatten Angst, dass die Heuernte nicht rechtzeitig eingefahren werden konnte, denn zu jener Zeit war Heuen eine harte körperliche Arbeit. Ich erinnere mich noch an Prozessionen, die durch Felder führten. Es wurde für besseres Wetter gebetet.
Uns Mädchen und Buben freuten diese Regentage aber besonders – wir mussten nicht schon früh morgens bis spät abends aufs Feld. Es kehrte ein wenig Ruhe ein. Wir konnten zusammenkommen, miteinander spielen und lustig haben, und es waren schöne Tage.
Diese Vorliebe für verregnete Sommertage ist mir immer bis heute im Pensionsalter geblieben. Sie verbreiten in mir eine wohltuende Ruhe, und man findet Zeit, um zum Beispiel diesen Leserbrief zu schreiben. Es zeigt aber auch, dass frühe Kindheitserlebnisse gute und weniger gute einen ein Leben lang prägen.

Ciril Cavigelli
28.07.25 - 12:51 Uhr
Leserbrief
Ort:
Untervaz
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