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Eine einkommensabhängige Quartierbildung in City West Chur

In einem Bericht des Stadtrats an den Gemeinderat am 12. März 2013 war zu lesen: "Der Stadtrat teilt die Auffassung der Unterzeichnenden (SP/JUSO-Fraktion), wonach in den verschiedenen Stadtquartieren eine gute soziale Durchmischung der Wohnbevölkerung mit Wohnungen im unteren, mittleren und oberen Preissegment anzustreben ist. Dadurch kann einer einkommensabhängigen Quartierbildung entgegengewirkt werden".
Seither hat sich die Zahl der günstigen Wohnungen verringert. Auch die Wohnungen in der Fortunaüberbauung der «Genossenschaft für Beschaffung billiger Wohnungen», der «Vier Jahreszeiten» oder der auf dem Areal der alten KEB, die sich nicht gerade in einem «Nobelquartier» befinden, sind weit über den kostengünstigen Mieten festgelegt durch die Stadt in 2009. Auch im neu entstehenden Quartier in Chur West sehe ich keine Pläne für eine Integration der unteren Einkommensklasse.
Am 9. Juni wird das Churer Stimmvolk über einen neuen Baurechtsvertrag zugunsten der Baugesellschaft City West entscheiden. Diese will auf Churer Bauland ein Hochhaus errichten und ersucht die Stadt um eine Reduktion des Baurechtzinses. Sie begründet dies damit, dass sie, indem sie Alterswohnungen mit Spitex Dienstleistungen zur Verfügung stellt, eine «sozial wichtige Aufgabe» übernimmt. Sozial? Für wen sind diese Wohnungen gedacht? Für die vielen Älteren, die in den nächsten Jahren im Rheinquartier ihre günstige Wohnung verlieren werden? Wohl kaum! Und für solche, die sich im Alter eine 3.5- oder 4.25-Zimmer Neuwohnung der Domenig Architekten leisten können, eine Reduktion des Baurechtzins zu verlangen, ist einfach nur zynisch.
Ja, wir brauchen Wohnungen, aber v.a. auch kostengünstige. Es scheint, dass in den Visionen für City West der Herren Marti, Domenig et al. die unteren Einkommensklasse vergessen wurde. Ich werde die Vorlage deshalb ablehnen. Vielleicht springen Investoren ab, aber es muss auch nicht alles an einem Tag verbaut werden.

Fritz Schulthess
18.05.24 - 17:03 Uhr
Leserbrief
Ort:
Chur
Zum Artikel:
Die Stadt Chur hat ein gutes Ergebnis erzielt, Leserbrief, Südostschweiz 17. Mai 2024.
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Ja, Fritz Schulthess, wo soll man noch "ohne Abriss" (finanziell oder bautechnisch) wohnen alias "Bezahlbares Wohnen"? Wobei, da geht es bloss um schnöden Mammon. Meine Permanentfrage seit Jahren ist jedoch essenziell: Wo "Gesund Wohnen"?
Nicht nur Motown alias Stautown Chur konterkariert Hoffnungen, auch die Aufrüstung statt Abwanderung des Waffenplatzes. Jenes Waffenplatzes, der vormals ein Stück entfernt war von der Besiedlung (alias Stadtmauern), die sich inzwischen jedoch sich in Richtung "Epizentrum" ergiesst, also dem Gegenteil des Erwarteten, denn normalerweise zieht man vom Lärm weg, oder auf Chur übertragen die Analogie würde bedeuten, die Ratten schwimmen zum sinkenden Schiff hin, also wider die Naturgesetze, eigentlich, oder wie oder was oder warum und wodurch?
Das geplante Seniorenzentrum Tower-West befindet sich im Schallkegel (und optisch in der Beton-Verkehrswüste gemäss Luftaufnahme, die ich im Magazin sah), zynisch könnte man fragen, ob die Insassen eh schwerhörig sind. Premiumwohnlage auch für Gislers Ex-Spargelfelder, inzwischen als Bauland "vergoldet". Die SO hatte über diese Location schwärmerisch-verheissungsvoll getitelt: «Gislers Spargeln weichen einem Pionierprojekt», worauf ich konterkommentierte (25.10.2021): Lärmmässig störte es wohl eher den Siedlungsbrei, der sich in Richtung Obere Au ergiesst – wie etwa die entstehende supermoderne, für mich supervorgestrige, Energiesparsiedlung dort, wo einst Gislers Spargel spross: teure Schein-Öko-Siedlung an Autobahn, Waffenplatz, Openairs und bei Hochspannungsstrommasten, wohl bekomms!
Und quasi als Krönung der schönen Stunden der surrealen Tragikomik in Churs "Gesundheitswohnen" fragt die SO dieser Tage, was sich die Bewohner von den just jetzt zu wählenden Politikern Churs "wünschen". Oje, die Illusion gab ich inzwischen auf.
https://www.suedostschweiz.ch/graubuenden/chur-waehlt-und-eure-meinung-…