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Chur ist viel mehr als die Innenstadt

Ich verstehe die Prioritäten der des VCS nicht. Da wird einfach akzeptiert, dass die Ringstrasse, die zum Teil durch dicht besiedelte und kinderreiche Wohnquartiere führt, die ohnehin schon durch die Staub-, Lärm- und Abgasemissionen und Lichtverschmutzung der Autobahn, dem Kieswerk, der Sportanlage Obere Au und Schiessplatz gebeutelt werden, zur Kantonsstrasse wird! Dazu scheint der Bau einer Plessurbrücke am Ende der Austrasse, die zu einem massiven Mehrverkehr bedingt durch den Ausweichverkehr an der Ringstrasse im Rheinquartier führen würde, nicht vom Tisch zu sein.
Hier scheint das ganzheitliche Denken zu fehlen. Bevor man den Verkehr aus der Stadtmitte verbannt, müssen verkehrsberuhigende Massnahmen in den Quartieren eingeführt werden, die von der Verlagerung des Verkehrs aus der Innenstadt betroffen wären. Aber dafür scheint sowohl der politische Wille als auch die Bereitschaft der Bevölkerung zu fehlen.
Als chronischer Fussgänger und ÖV-Benutzer «flaniere» ich wie wohl die meisten Churer selten in der Innenstadt, dafür aber öfters entlang meinen Einkaufsmeilen entlang der Ring- und Rheinstrasse. Chur besteht nun mal aus weit mehr als die Innenstadt.

Fritz Schulthess
03.12.23 - 11:31 Uhr
Leserbrief
Ort:
Chur
Zum Artikel:
Zum Artikel «Der VCS will die Autos aus der Churer Stadtmitte verbannen» vom 30. Novemeber 2023
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Fritz Schulthess, richtig, Sie schreiben das, was ich zum Leserbrief von Peter Hartmann bereits kommentierte. Sie ziehen den Bogen weiter als der VCS, aber weniger weit als ich. Die Gretchenfrage (oder Gretafrage) ist nämlich zu-ende-denkenderweise: Kann man die divergenten Interessen des Verkehrs und der Wohnenden und Fussgänger unter einen Hut alias in eine Stadt pressen? Das ist dieselbe Frage, die ich betreffend Wohnblöcke seit x-Jahren beklage, wo gemäss meiner Erfahrung Vermieter und vor allem der Mieterverband alle unter ein Dach zwängen wollen.
In beiden Fällen lautet meine Antwort: Nein.
Gemäss Logik und Naturgesetzen (könnte dasselbe sein): unmöglich.
Einerseits:
Chur ist bereits vibrierende Motown. Und Stautown. Plus markante Verkehrswachstumsprognosen.
Andererseits:
Eine grüne Initiative, die den Verkehrsraum generell verkleinern will. Und zudem nun diese komische Zone Engadinstrasse–Untertor. (Und das, nachdem die Tempo 30 Volksinitiative in Chur mit Pauken und trompetenden Auspuffen abgelehnt wurde.)
Konklusion:
Das widerspricht sich. Das würde die Staus verschlimmern. Deshalb meine Forderung: Mehr Strassen, "Asphalt flächendeckend".
Doch kommen wir zurück zur Logik.
Verursacherprinzip, Anreizsystem würde bedeuten:
Wer Lärm/Abgase produziert – auf Verkehrswegen oder in Wohnungen – soll auch in Lärm/Abgasen leben.
Analog:
Wer keinen Lärm/Abgase produziert – auf Verkehrswegen oder in Wohnungen – soll ohne Lärm/Abgase leben dürfen.
Fazit:
Ach, Leute, es wäre ja so einfach . . .
Aber wetten, meine Analyse akzeptiert hier wieder keiner? Gottschalk ahnt es.
Die Schweizerische Herzstiftung titelt in ihrem Magazin HerzundHirnschlag (August 2018) auf Seite 7 "Lärm schadet dem Herzen" und schreibt dort auch über den zweiten Schadensfaktor "Dreckige Luft führt zu Entzündungen". Und meint damit notabene nicht nur die Atemwege.