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Vaterlose Kinder der Engadiner Reformatoren

Vaterlose Kinder der Engadiner Reformatoren

Gegen die Ehe für alle ziehen kirchennahe Kreise zu Felde, indem sie unter Zuhilfenahme psychologischer Konstruktionen Bedürfnisse der Kinder postulieren, die in einer gleichgeschlechtlichen Ehe nicht abgedeckt seien. Das sahen die «Diener am Worte Gottes» der Reformationszeit entspannter und hielten die Präsenz eines Vaters für nicht mehr als «nice to have». So waren für Chiampell und Gallicius, die beiden Schlachtrösser der Engadiner Reformation, Fernbeziehungen zu Frau und Kind das Selbstverständlichste von der Welt. Gallicius liess, als er seine Pfarrstelle in Malans antrat, seinen fünfjährigen Alex in Susch bei den Eltern Chiampells zurück. Doch obwohl der alte Chiampell als ehemaliger Kriegsmann so richtig dafür prädestiniert gewesen wäre, seinem Pflegesohn die für einen Buben ach so essentiellen männlichen Werte zu vermitteln, finden die Quellen nur das herzliche Verhältnis zu seiner Pflegemutter Barbara erwähnenswert. Was Chiampell selber anbelangt, war er bei der Frühgeburt seiner ersten Tochter studienhalber in der Fremde, und auch seine späteren Töchter bekamen in ihren ersten Jahren über längere Zeit nur die Mutter zu Gesicht, während ihr Vater irgendwo zum Fan des Heiligen Franziskus wurde, sowie in Frankreich und den Niederlanden jene Roman- und Sagenfiguren kennenlernte, die in seiner «Historia Raetica» auftauchen.

Gian Andrea Caduff-Schlatter
07. September 2021, 11:37:32
Leserbrief
Ort:
Zizers
Zum Artikel:
div. Leserbriefe zum Thema Ehe für alle

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Wo bleibt da die Logik? Es war ja ein Vater da und die Kinder lebten nie in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft.
Auch Scheidungskinder erleben zuerst bei Geschlechter und ev. erst später nicht mehr die leiblichen Eltern.
Aber meistens wissen sie, wer die leiblichen Eltern sind.

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