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Energiegesetz: Enormes Potential PV-Strom

Energiegesetz: Enormes Potential PV-Strom

In der Schweiz wird zurzeit gerade mal 4% des Strombedarfs durch Solaranlagen erzeugt. Mit der Energiestrategie 2050 sollen die einheimischen erneuerbaren Energien gestärkt werden und der Anteil von Solarenergie auf 44% wachsen. Im Kanton Glarus wurde im Jahr 2020 sogar nur rund 2.5% des Strombedarfs durch PV gedeckt. Damit liegt unser Kanton deutlich hinter dem schweizerischen Solarstromanteil. Wenn man dann den Vergleich zu einigen Nachbarländern wagt, so liegen wir mit dem PV-Anteil noch viel weiter abgeschlagen.Dies, obwohl wir in der Schweiz und speziell auch im Kanton Glarus ein enormes Potenzial haben. Verschiedene Studien weisen dieses Potenzial aus, so eignen sich ca. 21'000 Gebäude für eine Dach- oder Fassadenfläche für PV. Das gesamte Gebäudepotenzial liegt somit bei jährlichen 300 GWh was 98% des heutigen Stromverbrauchs im Kanton entspricht.
Das Potenzial ist enorm und wir sollten aufgrund dieser Tatsachen unbedingt bei Neubauten die Eigenstromproduktion als Pflicht in unserem geänderten Energiegesetz verankern. Gerade bei einem Neubau rechnet sich die Investition viel schneller, da das Gebäude von Anfang an richtig geplant werden kann. Diese Technologie entwickelt sich laufend weiter und ich bin überzeugt, dass wir sowohl bei den Photovoltaik-Anlagen als auch bei den Energiespeichern in den nächsten Jahren einen Technologiesprung erleben dürfen.

Wir konnten unser 100-jähriges Haus im vergangenen Jahr mit einer PV-Dachanlage ausrüsten, welche nun sogar mehr als unser gesamter Bedarf an Strom pro Jahr zu produzieren vermag. Dass wir nun mit E-Auto und Elektro-Bike angetrieben mit dem eigenen Strom vom Dach unterwegs sind, ist zusätzlich ein sehr gutes Gefühl.
Auch wenn sich diese Investition erst in einigen Jahren amortisiert, so war es ein voller Erfolg und wir würden es wieder machen. Die Investition in Eigenstromproduktion ist auch bei bestehenden Gebäuden durchaus lukrativ und vor allem wertet es das Haus zusätzlich auf.Da wo sich eine PV-Anlage aufgrund geografischer Lage nicht rechnet, gibt es sinnvolle Alternativen wie Ersatzinvestition oder eine Ersatzabgabe.

Die Verankerung der Eigenstromproduktion bei Neubauten im Energiegesetz ist somit primär als unverzichtbarer Beitrag zur Energiewende als wie immer kritisiert ein zu kleiner Hebel für den Klimaschutz zu sehen.
Deshalb sagen wir am kommenden Sonntag unbedingt JA zum neuen Energiegesetz und vor allem auch JA zum Artikel 14b.

Urs Sigrist
31. August 2021, 16:47:43
Leserbrief
Ort:
Schwändi GL

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Es ist problemlos möglich, den gesamten Jahresbedarf an Strom mit PV zu produzieren. Was dabei aber meist verschwiegen wird: In jeder Nacht und im ganzen Winter kommt der Strom grösstenteils vom Netz. Zum Ausgleich werden an einem schönen Sommertag in zunehmendem Ausmass grosse Strommengen zurück ins Netz eingespeist. Um die Netzstabilität zu erhalten, muss der Netzbetreiber das zuviel an Strom aber loswerden, selbst wenn er dafür noch eine Abnahmeprämie bezahlen muss. Denn bei zukünftig grosser PV-Verbreitung reichen die Leistungen der Pumpspeicherwerke für eine vollständige Nutzung der zusätzlichen, gewaltigen Spitzenleistungen nicht aus. Verständlich somit, dass die E-Werke für den hauptsächlich im Sommer anfallenden PV-Strom keine Spitzentarife vergüten können. Solche gingen im Übrigen zu Lasten der Allgemeinheit. Fazit: Ab einer bestimmten Grösse funktionieren PV-Anlagen ohne eigene Speicherung analog der Aufzucht des Nachwuchses beim Kuckuck, also mittels Delegierung des Hauptproblems. Übrigens, eine kWh Strom speichern kostet mitsamt der Infrastruktur mehr als 1000 Franken. Eine Speicherung vom Sommer in den Winter kann somit vergessen werden.

Herr Weiersmüller
Ich glaube man sollte nicht den Fehler machen und die bestehende Stromproduktionsverhältnisse und Verflechtungen in die Zukunft zu interpolieren. Fakt ist, dass durch PV die Stromproduktion demokratisiert und dezentralisiert wird. Grosse, reine Stromanbieter werden zunehmend überflüssig. Ein neuer Player wird die Elektromobilität mit Ihren gewaltigen Speichervolumen sein. Vehicle-to-Grid oder Vehicle-to-home sind hier Ideen um sinnvoll grosse Energievolumen durch den Tag zu speichern und in der Nacht nachfragegesteuert in das Netz abzugeben. Und da dies dezentral auf Netzebene 7 passiert, sind Rieseninvestitionen in die Übertragungsnetze nicht nötig.
Die Kosten für Speicher stehen erst am Anfang. Durch Skaleneffekte werden sich die Preise in den nächsten 3-5 Jahre garantiert um den Faktor 10 reduzieren. Somit wären Preise unter 100 CHF pro speicherbare kWh möglich. Bei solchen Preisen werden Pumpspeicherwerke noch unrentabler als sie heute schon sind.
Bereits heute hat z.B. der Kanton Graubünden die Erzeugung von Winterstrom durch PV erkannt und fördert dies durch entsprechende Vorgaben bezüglich Ausrichtung von Modulen. Eine Versorgung im Winter durch PV ist technisch möglich.
Grüsse

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