×

Die Paradoxien der Corona-Moral

Die Paradoxien der Corona-Moral

Was auch die SVP tut, sie wird reflexartig als «radikal», «unmoralisch», «ausgrenzend» oder neuerdings als «trumpistisch» bezeichnet. Was die Hüter der moralischen Weltordnung dabei übersehen, ist die paradoxe Entwicklung, in die sich die Moral selbst verlaufen hat: Angetreten mit dem Anspruch, niemanden auszugrenzen sind es nun gerade die Exponenten vermeintlich liberaler und grünliberaler Parteien, aus deren Mund eine Stigmatisierung von Ungeimpften kommt – natürlich bloss im Namen eines sanitarischen Allgemeinwohls, das allein sie zu kennen glauben, ohne jedes historische Bewusstsein über deren ungeheuerliche Bedeutung. Die ach so unmoralische SVP hat sich umgekehrt als einzige Partei (wenigstens zum Teil) dem Raubbau an den Grundrechten im Windschatten der sog. Corona-Krise entgegengestellt. Die reflexartigen Moralisten haben in ihrem dogmatischen Schlummer dabei verpasst, dass die heutige Unterscheidung in der Politlandschaft nicht mehr diejenige zwischen links und rechts ist, sondern zwischen konformistisch-totalitaristisch und individualistisch-freiheitlich.

Timon Georg Boehm
28. Juli 2021, 11:03:57
Leserbrief
Ort:
Maienfeld

Kommentieren

Kommentar senden

Corona hat die bereits jahrelang schwellende Be-Drängung des erlaubten Sag- und Denkbaren in einen immer engeren Meinungskorridor massiv intensiviert und beschleunigt...
Mir war schon ziemlich schnell am Anfang der falsch ausgerufenen Pandemie klar, dass die Reise in eine immer grössere Spaltung mit den damit verknüpften Erscheinungen wie Denunziantentum, Überwachung/Zensur, Ruf bzw. Huldigung eines Führungs-Kultes inkl. bereitwilliger Aufgabe von freiheitlichen Rechten gehen könnte. Teile und herrsche! Und die Psychose gipfelt in der breiten Forderung, sich aus solidarischen Gründen (!) an die Massnahmen zu halten und gerade jetzt besonders sich impfen zu lassen (und die Kirchen - was Wunder! - machen da noch mit... Impfen=Gottesdienst! so viel zum Kult!)
Gemeinschaftliche Stärke erwächst nur aus der Stärke jedes Einzelnen, ergo ist gemeinschaftliche Gesundheitsfürsorge die eigenverantwortliche gesundheitliche Stärkung jedes Menschen, denn der Mensch kann sich nur selber heilen (kein Arzt, kein Medikament heilt!).
Aber um Gesundheit geht es in dieser Krise ja gar nicht....
Man hat manchmal den Eindruck, jetzt sei dann wohl "gnuag Heu dunna", aber dann wird noch eine Schippe an weiteren absurden Massnahmen und Forderungen draufgelegt....vielleicht braucht es das, damit alle die Chance bekommen, endlich den Durchblick zu bekommen, dann ist der Zeitpunkt da, wo das System kippt. In früheren Krisen genügte es, wenn das Pendel bis 3/9 Uhr oder vielleicht 2/10 Uhr ging, bis es zurückschwang....dieses Mal sieht es so aus, als müsste das Pendel auf 0/12 Uhr getrieben werden... dann bleibt nur zu hoffen, dass es dann die richtige Wendung nehme....

Ziemlich schöngeistig und abgehoben!
Das revidierte Epidemiengesetz, das die Kompetenzen des Bundesrats im Fall einer Epidemie festlegt, wurde am 28. September 2013 mit 60% Jastimmen bei einer Stimmbeteiligung von 47% vom Schweizervolk angenommen. Die einzige Partei, die das Gesetz ablehnte war die SVP, und jetzt da eine Pandemie Realität wurde, stellt sie sich quer und hält wie auch Sie die Solidarität des Volkes und die ergriffenen Massnahmen des Bundesrates als konformistisch-totalitär. Soviel zum Demokratieverständnis!
Diese Pandemie war schon längst überfällig und wir sind nochmals glimpflich davon gekommen, da Massnahmen frühzeitig ergriffen wurden und es sich um ein einen Erreger mit einer relativ tiefen Mortalitäten handelt. Neben vielen zoonotischen Krankheiten, von denen wir (noch) nichts wissen, wie es ja der Fall beim Coronavirus war, gibt aber viele bekannte Erreger, die u.a. hämorrhagische Fieber verursachen, wobei Blut aus allen Körperöffnungen tritt, mit Mortalitäten zwischen 30 und 70%. Dagegen ist man auch nicht gefeit, wenn man in einem Elfenbeinturm sitzt. Ein solcher Erreger hätte nicht nur die Schliessung der Grenzen sondern auch der Häfen zur Folge, was für ein Importland wie die Schweiz, das zudem nicht mit der Solidarität einer EU rechnen kann, eine Katastrophe wäre. Da wäre eine Solidarität gefragt, die man offensichtlich von der SVP nicht erwarten kann.

Ich bin mit Herrn Boehm einverstanden. Unabhängig davon, ob ich die SVP gut finde, bin ich froh, dass sich diese Partei für unsere Grundrechte einsetzt. Nicht nur sind mehrere Verfassungsartikel eingeschränkt oder aufgehoben, auch die Arzneimittelverordnung des Bundes wird von Bundesrat Berset nicht eingehalten. Es ist gemäss dieser Verordnung verboten, aufdringliche Werbung für Arzneimittel zu machen und die Bezeichnung "sicher" für Impfstoffe zu verwenden. Die Swissmedic wäre verpflichtet, bei solchen Verstössen einzuschreiten! Ich habe keine Achtung mehr vor einem Staat, der alle Menschen ganz gezielt täglich gegeneinander aufhetzt. Dieser psychologische und soziale Schaden lässt sich nicht so schnell wieder flicken.

Herr Boehm
Sie machen den selben Fehler und teilen wieder in zwei Gruppen auf. Dabei sind Ihre Gruppen "konformistisch-totalitaristsch" und "individualistisch-freiheitlich" total beliebig gewählt und unreflektiert.
Die, die Sie "individualistisch-freiheitlichen" nennen, fühlen sich überlegen und aufgeklärt. Übersehen dabei, dass Sie dabei völlig "konformistisch-totalitaristisch" in Bezug auf Wirtschaft, Arbeit, Umwelt und Konsum agieren und dabei Rücksichtslosigkeit mit Freiheit verwechseln.
Die, die Sie "konformistisch-totalitaristisch" nennen, ja was ist mit denen? Die sind "individualistisch-freiheitlich" in Bezug auf Wirtschaft, Arbeit, Umwelt und Konsum und haben dabei meist einen aufgeklärteren Freiheitsbegriff im Sinne von Immanuel Kant.
Wie Sie sehen, sind meine Definitionen auch wieder frei gewählt und beliebig austauschbar. Eine Spaltung in zwei Gruppen ist völlig kontraproduktiv.
Grüsse

Das ist einfach die Taktik der SVP, die in einem permanenten Wahlkampfmodus zu sein scheint. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse, sei es beim Klima oder einer Pandemie, die eine Änderung im Verhaltung, Umdenken oder eine Einschränkung erfordern, schaffen immer Wutbürger, was sich die SVP zu Nutzen macht, indem sie sie in ihrem (Irr-)Glauben bestärkt. Es geht dabei nicht um Wahrheiten sondern einfach um die Maximierung von Wählerstimmen. Wären sie konsequent, würde sie ihre Bundesräte abziehen und in die Opposition gehen, denn dass der Bundesrat laut Bundesverfassung als Kollegium entscheidet, können sie offensichtlich nicht akzeptieren.

Mehr Kommentare anzeigen
E-Paper
Folge uns auf Social Media!
Immer up-to-date mit den besten News aus der Medienfamilie Südostschweiz.
Nicht mehr fragen