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Klettergarten Sunnibergbrücke

Klettergarten Sunnibergbrücke

In den Berichten über die Kletterrouten am Pfeiler der Sunnibergbrücke ist in den Medien eher Begeisterung als Zurückhaltung zu spüren. Kein Wort zu Bedenken, was man der Brücke damit antun könnte!
Bei einer Stahlbetonkonstruktion hat der Beton zwei Funktionen: Er überträgt die Druckkräfte und er schützt den Bewehrungsstahl. Bei Konstruktionen im Freien ist die zweite Funktion besonders wichtig. Bei der Sunnibergbrücke werden die Druckkräfte seit bald 20 Jahren problemlos übertragen. Auch der Schutz der Bewehrung scheint gut zu funktionieren. Die äusserste Schicht von 3 bis 5 cm, die für diesen Schutz zuständig ist, präsentiert sich (noch!) in einem einwandfreien Zustand. Jeder Fachmann weiss aber, dass Löcher in einer Betonoberfläche Ausgangspunkt von Schäden sind. Wenn nun für die Befestigung von Klettergriffen für 16 Routen mutwillig Löcher gebohrt werden, wird man der Brücke sehr grossen Schaden zufügen; das sollte man nicht tun!
Es ist zu hoffen, dass Bewilligungsbehörden, egal, wer das ist, die materialtechnischen Aspekte gebührend berücksichtigen und entsprechende Gesuche ablehnen. Echte Kletterer werden ohnehin auch in Zukunft die vielen Routen im Rätikon bevorzugen.
Heinrich Figi, ehemaliger Brückeningenieur beim TBA GR, aus Chur

Heinrich Figi
31. Mai 2021, 11:35:35
Leserbrief
Ort:
Chur
Zum Artikel:
GR 10.05.2021/ 29.05.2021 Bald kann geklettert werden

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Vielen Dank für Deinen Leserbrief, lieber Heiri, ich kann Dir nur beipflichten. Unsere Bauwerke werden entsprechend ihrer Funktion projektiert und konstruiert. Als Klettergarten ist die Sunnibergbrücke nicht konzipiert, vielmehr gilt sie als eine der architektonisch und ingenieurtechnisch besten Brücken auf der Welt, schlicht einzigartig, und soll noch sehr lange ihrer Funktion gerecht werden können. Entsprechend ist dem Bauwerk Sorge zu tragen und mutwillige Zerstörungen müssen zwingend ausbleiben. Ich bin irritiert darüber, dass Dein früheres Tiefbauamt nicht involviert wurde, wenn eine solche Idee lanciert wird, wohl hätte man, der Sorgfalt entsprechend, sofort abgewunken.
Im Kanton Graubünden gibt es unzählige Möglichkeiten um zu klettern, eine Brücke muss es wohl nicht sein.

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