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Bedrohung in Griff bekommen

Bedrohung in Griff bekommen

Am 13. Juni stimmen wir über das CO2-Gesetz ab. Bundesrat und Parlament empfehlen es zur Annahme. Die Abstimmungsunterlagen stellen es gut dar. Ich hoffe auf eine Annahme dieses Gesetzes.
Die Klimaveränderungen beschäftigen mich seit vielen Jahren, weit mehr als andere Belastungen der Umwelt. Wir sind daran, unseren Lebensraum aufs Spiel zu setzen. Ich will andere schlimme Ereignisse oder Umweltkatastrophen nicht kleinreden, sie sind aber in der Regel begrenzt, örtlich und zeitlich. Die von uns verursachte Erwärmung des Lebensraumes nimmt andere Dimensionen an. Sie ist global und sie ist heimtückisch. Der Beginn war langsam, fast unmerklich, sie wird sich aber nicht von selber und in kurzer Zeit wieder zum Guten wenden. Es ist eine Bedrohung auf lange Zeit. Es stimmt, die Erde hat schon grössere Klimaschwankungen erlebt. Wir haben aber das Glück, in einem erdgeschichtlichen Zeitraum zu leben, der durch ein relativ konstantes Klima der letzten etwa zehntausend Jahre gekennzeichnet ist. In dieser Zeit hat sich die heutige Zivilisation entwickeln können. Globale Katastrophen, beispielsweise grosse Vulkanausbrüche oder Veränderungen der Sonne, können wir nicht verhindern; wir können nur hoffen, dass diese günstige erdgeschichtliche Phase andauert. Es wäre nun grobfahrlässig, den Lebensraum selbst zu zerstören.
In den letzten Jahrzehnten ist es zu einem Phänomen gekommen, das die Menschheit nie gekannt hat: Energie ist billig geworden, menschliche Arbeitskraft teuer. Bis vor wenigen Jahrzehnten war das umgekehrt, Arbeitskraft war vorhanden, mit Energie musste man sparsam umgehen. Wir haben das natürlich genossen und über unsere Verhältnisse gelebt. Das müssen wir nun einsehen und unser Verhalten korrigieren.
In einem Punkt bin ich mit den Gegnern des Gesetzes einig: Eigenverantwortung ist wichtig. Wir wissen aber, wie nachlässig wir eben sind. Und darum sage ich «Ja!» zu Lenkungsmassnahmen, wie sie das Gesetz vorsieht. Sie tun niemandem ernsthaft weh, helfen aber, eine ernsthafte Bedrohung in den Griff zu bekommen. Von meinem Beruf her weiss ich, wie wichtig Beratung ist. Manchmal tut es halt etwas weh, wenn etwas bessern soll. Noch besser ist es, ernsthaften Schäden vorzubeugen. Darum haben sich vor gut dreissig Jahren viele von uns zu den AefU, den Ärztinnen und Ärzten für Umweltschutz, zusammengeschlossen.

Ulrich Nägeli
29. Mai 2021, 23:56:05
Leserbrief
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