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Mit dabei, wenns kracht

Mit dabei, wenns kracht

Eine schwierige Thematik, ob ein Kind bis 12 Jahre auf die Jagd mitgenommen werden soll. Keines sollte dazu gezwungen werden. Ein Kind in einem Jägerhaushalt wächst automatisch in den Jagdbetrieb ein. Die Jagd ist eine ausgesprochen diffuse Parallelwelt. Leider gilt es schon als normal, dass Kinder im Rahmen von «Naturerfahrungen» mit Hobbyjägern eine unnatürliche Gehirnwäsche verpasst kriegen. Den tierliebenden Kindern werden dabei Waffen, Munition und das Töten schmackhaft gemacht. Über ihre unschuldige Liebe zu Tieren versucht man sie zum Töten zu animieren. Freude am Töten, Gewalt und der Umgang mit der Waffe für eine Trophäe wird so spielerisch in die nächste Generation eingeimpft. Ist es nötig, Kinder abzustumpfen, indem sie sehen, wie ein Tier erschossen, aufgeschlitzt und weidmännisch «geschmückt» wird? Müssen Kinder mit der Verherrlichung der Gewalt durch Hobbyjäger indoktriniert werden? Hat das was mit Biologie, Ökologie oder mit dem Schutz von Wildtieren zu tun? Bzw. als Vorbereitung für ein gelingendes Leben? Nein! Ganz im Gegenteil! Schriftsteller Karl Heinz Deschner, der selbst mal «passionierter» Jäger war, sagt zur Jagd: «Ja, ich war in meiner Jugend Jäger. Ich habe Hunderte von Tieren um ihr Leben gebracht, manche angeschossen, so dass sie langsam verfault, verhungert, lebend vom Fuchs zerrissen worden sind. Über die Jagd wird wohl noch mehr gelogen als über den Krieg. Sie ist selbst einer. Ein höchst ungleicher Vergleich, ein Krieg gegen völlig wehrlose Wesen, wobei die Jäger nichts riskieren, ausser einem Schnupfen oder einem Sturz vom Hochsitz. Nichts hat mich so beschämt in meinem Leben. Noch nach Jahrzehnten, nach einem halben Jahrhundert, oft Tag für Tag…» Es ist strikt abzulehnen, dass Kinder zu Werbezwecken für ein blutiges Freizeitvergnügen «missbraucht» und zu Verrohung und Empathielosigkeit erzogen werden! Pädagogisch äusserst fragwürdig und ungesund! Pervers auch, dass Jäger bereits in Schulen zugelassen werden, um diesen Irrsinn vor Kindern zu zelebrieren, wo, statt solcher Mumpitz ein Lehrfach für Sozialverhalten/Tier/Natur/Umweltschutz heutzutage dringendst von Nöten wäre, statt noch weitere herangezüchtete Rohlinge! Das Erleben der Natur und in ihr lernen, geht auch ohne Töten! Das Übel der Charakterdegeneration in unserer Gesellschaft haben wir bereits zur Genüge, und es wird unser Untergang werden, wenn wir nicht umdenken. Neandertal sei ausgestorben? In Graubünden wohl nicht, so wild, wie man hier aufs Wild ist...!

Barbara Moretti
09. Mai 2021, 19:36:02
Leserbrief
Ort:
Chur

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Herr Reuss, Trophäenjagd ist ein ganz anderes Thema. Hier geht es doch um Tierbestände in Grenzen zu halten. Was sagen sie denn zur Mäusejagd? Füchse und Katzen können die Bestände nicht mehr "kontrollieren" und es gibt riesige Ausfälle im Grünland für die Bauern. Also muss der Mensch eingreifen mit Fallen und Gas. Hier wird nicht geschossen - aber auch getötet!
Werden die Wildbestände zu gross, wird der Verdrängungskampf härter und die Tiere verletzen sich gegenseitig mit zum Teil tödlichen Verletzungen. Ist das besser, wenn die Tiere ehlendlich sterben ?

Liebe Frau Barbara Moretti
Es gibt viele Argumente und Ansichten zur Jagd. Die für Argumente bassieren mehrheitlich auf Tradition. Ihre Argumente sind zeitgemäss. Die Jagd, wie sie heute durchgeführt wird ist überholt und hat mit den aktuellen Erkenntnissen von Tier und Umwelt keinen Platz mehr in unserer Gesellschaft. Ihren Mut dagegen anzukämpfen möchte ich mit diese Zeile unterstützen.

Bravo, Barbara Moretti.
Diesen Leserbrief samt Zitat von Karl Heinz Deschner finde ich einen Blattschuss; sorry für das morbide Wort, aber so verstehen es Jäger.
Deren Selbstbewusstsein scheint aufgesetzt, auf ein zumindest latentes Schuldbewusstsein, denn während der Normalbürger "Blut und Schweiss" schwitzt, weiss der Jäger, dass letzteres ersteres bedeutet. Ja, das Jägerlatein, dieses verbale Versteckspielen (nicht nur hinter Hecken als Schützen), entsprechend dem Tannenzweig im Maul des Opfers, der angeblich der "Schmückung" dient, jedoch nichts anderes als die Verbergung der im Todesk(r)ampf heraushängenden Zunge und Mundpartie bezwecken dürfte.
http://www.rotorman.de/blattschuss-der-zweig-im-maul-des-erlegtenopfers…
Praden:
https://www.suedostschweiz.ch/leserbriefe/2019-09-09/jagt
Sils im Engadin:
https://www.suedostschweiz.ch/aus-dem-leben/2018-01-06/ein-gnadenschuss…
Chur:
http://dossiers.suedostschweiz.ch/polizeimeldungen/2019-09-27/jaeger-sc…
Vicosoprano:
https://www.suedostschweiz.ch/polizeimeldungen/2019-09-28/jaeger-schies…
Passhotel Flüela Hospiz: Graubünden macht (mindestens) nationale Schlagzeilen, leider nur wieder negative:
https://www.suedostschweiz.ch/aus-dem-leben/2019-10-04/touristen-entset…
https://www.bluewin.ch/de/newsregional/ost/jaegerin-schiesst-vor-den-au…
"Touristen laufen Sturm, weil im Wallis jährlich 600 Murmeltiere geschossen werden. In Graubünden sind es jedoch zehn Mal mehr."
https://www.suedostschweiz.ch/aus-dem-leben/2017-10-25/pro-jahr-schiess…
Anno 2017: Schweizweit 51 Graureiher geschossen, davon 49 in Graubünden:
https://www.suedostschweiz.ch/ereignisse/2017-10-17/buendner-gehen-den-…
Knallerei in Menschennähe (Jäger oder Waffenplatz Chur): Damit könnte-sollte-müsste der offizielle Gesundheitstourismus Graubünden (über den ich eh nur weinen kann) prahlen – weltweit – in seinen Medienmarketingverlautbarungen (denn für beide steht der Kanton). GR: hier können Gesundheitssuchende bzw. Wanderer bzw. Wohnende (siehe Schlagzeile: tiefnächtlicher Schuss unterm Schlafzimmerfenster ohne Vorwarnung in Sils im Engadin) in Traumas und Stress versetzt werden von Bikern, Kampfkühen, Hunden, Steinschlag, Jägern – obwohl Stress (wie Lärm) neben Luftverschmutzung die Hauptgesundheitsgefahr ist gemäss WHO (und Herzstiftung Schweiz).
https://freiwild-wanderer.webnode.com/
Welzheimer Zeitung: Der verstorbene Kunstmaler Chr. K. Baur hat in einem Gedicht folgenden Satz festgehalten: "Liebt euch, Lebende, die Zeit entflieht! Blumen auf den Gräbern kein Toter mehr sieht!"

Ktipp (5.5.2021) berichtet über reiche Jäger, die weltweit auf Trophäenjagd gehen:

Katharina Büttiker von Animal Trust: "Töten um des Tötens willen".

Beispiel:

Braunbären sind in ganz Europa streng geschützt. Prinz Emanuel von und zu Liechtenstein erschoss am 13.3.2021 den "grössten Bären Europas, Arthur", gemäss der rumänischen Umweltorganisation Agent Green.

"Der Verdacht: Der in Österreich lebende Liechtensteiner Prinz, von Beruf Arzt, schoss den Braunbären als Trophäe zum Vergnügen ab.

Wie es zu dieser Abschussbewilligung kam und wie viel er dafür bezahlen musste, will Prinz Emanuel dem K-Tipp nicht sagen. Auch die rumänischen Behörden verraten nichts."

Agent Green: "Abschüsse grosser männlicher Tiere schwächen die Bärenpopulation. Das sei wissenschaftlich bewiesen".

1500 bis 2000 Schweizer Jäger reisen jedes Jahr auf Trophäenjagd ins Ausland.

Die Einfuhr von Jagdtrophäen wird vom Bund bewilligt.

Ich frage: Wie "evil" muss man sein, wie stark das Verlangen, um für die Lust am Töten auch noch teuer zu bezahlen?

Prinz?  https://de.wikipedia.org/wiki/Der_kleine_Prinz

 

 

Kinder können doch selber entscheiden, ob sie mit auf die Jagd wollen. Die Jagd ist ja nicht nur töten, sondern die Pflege des Wildbestandes. Es geht doch darum, den Bestand in Grenzen zu halten und die richtigen Tiere aus dem Bestand zu nehmen.
Das ist doch auf jedem Zuchtbetrieb mit Tieren das selbe. Man kann die Tiere lieben, aber man weiss, dass sie im Kreislauf der Ernährung sind.
Rohlinge wie sie sagen, sind eher Menschen, die keine Beziehung zu Tieren haben und mit Messern und Waffen wahllose auf Menschen losgehen oder sogar im Familienkreis töten. Aus materiellen, religiösen oder zwischenmenschlichen Beziehungen töten.
Denen fehlt vielleicht genau die Beziehung zur Natur.
Ein Vergleich mit Töfffahrern, die auf der Rennstrecke sich austoben und auf öffentlichen Strassen an die Regeln halten.

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