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06.02.2021 / Kommentar / A Masüger

06.02.2021 / Kommentar / A Masüger

Einen wahrscheinlich durch dachten Kommentar veröffentlichte Andrea Masüger am 06.02.2021, als er unter dem Titel «Der Einfluss der Nach-68er auf die Corona-Krise» schrieb: «Die Corona-Situation legt also schonungslos offen, wie Beziehungs- und Erziehungsstile in die Irre führen können.»
Die Jugendlichen seien verweichlicht meint er. „Sie wurden der „Fähigkeit beraubt ... Herausforderungen und Krisen zu meistern.“ Die Jugend früher sei wesentlich besser auf eine Pandemie wie wir sie heute haben vorbereitet gewesen denn früher mussten Jugendliche, so Andrea Masüger „Armut, Hunger und sogar Kriege durchmachen.“ Wenn ich das alles nur früher gewusst hätte.

Meine Kinder hätte ich statt zu den Grosseltern zu den Taliban geschickt, statt ihnen, wenn sie Hunger hatten, ein Butterbrot zu geben, hätte ich mindestens einen Tag pro Woche zum Hungertag ausrufen und ihnen das Essen verweigern können. Statt in einem Bett in einem Zimmer hätten sie auch in einem Hauseingang schlafen können. Meine Eltern, die den Zweiten Weltkrieg erlebten, mein Vater an der Grenze, meine Mutter in Zürich als Örlikon bombardiert wurde, wären mit einer Taliban-Verschickung ihrer Enkel allerdings nicht glücklich gewesen. Auch nicht mit einem solchen Schlafplatz und nicht mit Hunger.
Eltern heute sorgen dafür, dass ihre Kinder, so gut es geht nicht in Armut aufwachsen und keinen Hunger leiden. Es sind alle froh, dass Kinder hier keinen Krieg erleben. Das ist kein Erziehungsstil, der in die Irre führt. Dass «Armut, Hunger und sogar Kriege» angeblich gegen wachsenden» Frust, Ratlosigkeit und Überforderung» helfen sollen, so Andrea Masügers Folgerung, ist ein Irrweg, auf dem er sich hoffentlich alleine befindet.
Ich habe die von Andrea Masüger aufgezählten Dinge (Armut, Hunger, Krieg) nicht erlebt, darauf zurück führen kann man den Frust, die Ratlosigkeit und Überforderung und das völlige Unverständnis gegenüber seinem Kommentar nicht. Im Gegenteil.

hanspeter raetzo
06. Februar 2021, 22:12:06
Leserbrief
Ort:
jona
Zum Artikel:
06.02.2021 / Kommentar A Masügr

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Man kann einen Text entweder wortwörtlich nehmen, oder dann eben ernst. Beides zusammen geht nicht. Man kann einen Text kalt lesen, ihn zerebral auslegen - jeden Text dadurch vollständig anders interpretieren, als es der Autor/ die Autorin in seinen/ ihren tiefen, hinterfragenden Gedanken darlegen, aufzeigen, erklären wollte. Mit diesem latenten Los hat jede Autorin/ jeder Autor immer zu leben und damit muss er zurechtkommen. Auch wenn es vermutlich sehr oft halt schmerzt.

Ich habe diesen Text, diese Aussagen, diese Fenststellungen von Herrn Andrea Masüger halt völlig anders verstanden, total anders wahrgenommen. Je mehr ich mich in diesen Text vertiefte, umso mehr hat es mich zum Nachdenken angeregt; mir die Augen geöffnet. Ich glaube mindestens: dadurch habe ich diese grossartigen Feinheiten, diesen aussagemässigen Tiefgang, diese Seriosität aber auch den Mut, die kritisch hinterfragende Kraft des Autors erst richtig verstanden. Und ich glaube, dass ich ich einigermassen begriffen habe, was uns Herr Masügger durch seinen Kommentar in seiner ganzen Fülle rüberbringen wollte. Danke, Herr Masüger - nicht alle Journalistinnen und Journalisten haben leider diese Fähigkeiten.

So wie Herr Masüger mit seinen diversen diffamierenden Kommentaren sogar das Pflegepersonal zwangsimpfen will, ist Herr Masügers Zwangspensionierung schon lange überfällig.
Ich kenne mehrere, die die SO wegen Herr Masügers teilweise primitiven Kommentaren nicht mehr aboniert haben und ich bin es mir auch am überlegen...

Herr Wihler

Ihre Aussage bzgl. "Primitiver Kommentar" passt ausgezeichnet zum Leserbrief den Sie geschrieben haben. Ich bin der Ansicht, dass die Aussagen von Herrn Masüger fundiert sind und zum Denken (und nicht zum Wäffeln...) anregen sollten. Aber das "Denken bzw. Nachdenken" ist nicht jedermanns Sache!

Übrigens: Ich persönlich kenne mehrere Personen, die die SO wegen Herrn Masügers intelligenten Kommentaren sofort abonniert haben und ich persönlich bleibe beim Abo ...

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