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Siedlung Waldhaus Chur

Siedlung Waldhaus Chur

«Viel Mühe für nichts», so heisst es im jüngsten Bericht von Pierina Hassler zur Zukunft der Siedlung Waldhaus. Als einer der angesprochenen Experten aus dem Bereich Architektur, der sich für den Erhalt der Siedlung ausspricht, sehe ich die Sachlage anders. Mit dem Entscheid der Schlichtungsbehörde mögen die Befürworter des Abrisses ein Etappenziel erreicht haben. Aber gegen den Quartierplan, der demnächst vorliegt, sind Einsprachen möglich. Durch die möglichen rechtlichen Konsequenzen kann sich das Bauvorhaben langfristig verzögern oder auch zu Fall gebracht werden. Von einem «endgültigen Aus» ist also derzeit nicht zu sprechen.

Zu hoffen ist, dass sich in naher Zukunft die Vernunft durchsetzt: Grundsätzlich ist Verdichtung als Mittel gegen Zersiedlung und zur Schaffung von Wohnraum sinnvoll. Aber nicht überall, nicht zu jeder Zeit. Und auch nicht dort – wie in Chur – wo Wohnungsknappheit nicht zu den drängenden Problemen zählt. Zerstört würde mit dem Bauprojekt nicht nur das architekturhistorisch bedeutsame Ensemble der unmittelbaren Nachkriegszeit samt seinen Gärten, bebaut würden auch die anschliessenden Felder mit ihren Obst- und Nussbäumen. Diesen Bestand für einen Baukomplex zu opfern, für den keine wirkliche Notwendigkeit besteht, ist in Zeiten, in denen sorgsamer und nachhaltiger Umgang mit Ressourcen auf die Agenda gehören, nicht nachvollziehbar. Denn leider folgt die Immobilienwirtschaft in der Schweiz nur teilweise dem Ziel der Erstellung bedarfsgerechter und preisgünstiger Wohnungen. Vielfach, und so auch in Chur, entstehen renditeorientierte Anlagegefässe, bei denen selbst Leerstand billigend in Kauf genommen wird. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund werden sogenannte «Ersatzneubauten», welche als masslose Interventionen die gewachsene Stadtlandschaft in einen Flickenteppich verwandeln, auch in der Fachwelt vermehrt in Frage gestellt.

Hubertus Adam
Architekturhistoriker, Zürich

Hubertus Adam
19. Dezember 2020, 18:42:45
Leserbrief
Ort:
Zürich
Zum Artikel:
Pierina Hassler «Endgültiges Aus für die Siedlung Waldhaus», Südostschweiz, 14.12.2020

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