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Leserbrief

Unverantwortliche Initiative?

Fritz Schulthess, Chur
20. November 2020, 13:48:27

Herr Ettisberger bedient sich jeden Klischees, um die KOVI runterzumachen.
So soll eine Käserei dafür haften, wenn ein Milch liefernder Bauer zu viel Gülle ausbringt, was total absurd ist. Man kann sich fragen, ob er den Initiativtext überhaupt gelesen hat.
Er schreibt, dass es bei der KOVI um Ideologie und nicht um Gerechtigkeit ginge, nicht um das Christentum, wo die Unschuldsvermutung gilt. Kann man ideologischer sein als die Anhänger des Neoliberalismus. Dass der Markt nicht alles regelt und der Staat oft eingreifen muss, zeigte die letzte Weltwirtschaftskrise, als der Staat, also das Volk, die UBS mit 60 Milliarden vor dem Untergang rettete, und die jetzige Interventionen des Staates bei der Covid-19-Krise.
Was die Unschuldsvermutung betrifft, so findet man diese weder in der Bibel noch im Talmud. Das Prinzip der Unschuldsvermutung in unserer Kultur stammt aus dem Römischen Recht. Mit dem Christentum hat sie wenig zu tun, und seine universelle Anerkennung findet man erst in Art. 11 Abs. 1 der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinigten Nationen in 1948.
Herr Ettisberger insinuiert auch, dass die Vorlage kolonialistische Züge hätte und dass die Entwicklungsländer fähig seien, ihre eigenen Angelegenheiten zu regeln. Das ist reine Polemik. Die Rechtsysteme in diesen Ländern unterscheiden sich nicht gross von unseren. Der Unterschied liegt im Ausmass der Korruption im öffentlichen Dienst, die durch das Gebaren ausländischer Geschäftsleuten zusätzlich gefördert wird. Nach der Unabhängigkeit haben die neuen Regierungen wirtschaftliche Systeme der Kolonialalmächte, die dazu dienten das Land auszubeuten, beibehalten und ad absurdum geführt. So sind natürliche Ressourcen heute in solchen Ländern wie Honigtöpfe für ein paar Auserwählte, und das normale Volk profitiert wenig davon.
Aber Hauptsache, wir können unseren maroden Banken weiterhin unter die Arme helfen - nicht wahr Herr Ettisberger?

Zum Artikel: Leserbrief «Unverantwortliche Initiative», Ausgabe vom 20. November

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