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Leserbrief

Konzernverantwortungsinitiative

Barbara Mujagic, Liestal
08. Oktober 2020, 18:21:07

«Schaden für den Wirtschaftsplatz Schweiz», was heisst das denn eigentlich genau? Kann es sich unsere Wirtschaft nicht leisten, auch an ausländischen Produktionsstätten Menschenrecht und Umweltschutz zu respektieren? – Oder andersrum: Sind sklaverei-ähnliche Arbeitsbedingungen und Umgehung von Luft- Boden- und Gewässerschutzanforderungen unvermeidbar, damit es der Schweizer Wirtschaft gut geht? - Anscheinend doch nicht, denn die überwiegende Mehrheit der angeblich rund 80'000 betroffenen Betriebe verhält sich ja gesetzeskonform.

«Schweizer Recht im Ausland durchsetzen»: Menschenrecht ist meines Wissens universal – und dazu gehört auch ein Lebensraum, der ein Aufwachsen und Leben ohne chronische Vergiftungsschäden ermöglicht.

«Überforderung des Rechtssystems»: Nun, die überwiegende Mehrheit der Betriebe verhält sich, wie gesagt, korrekt; - eine Haftungsnorm würde sie also nicht betreffen. Die wenigen, nicht Kleinen, nicht Mittleren, sondern international tätigen Grossunternehmen (Glencore, Syngenta, Nestlé etc.), welche von einer Haftungsnorm tatsächlich betroffen wären, die hätten auch die Ressourcen für «langwierige und teure Gerichtsverfahren».

Der Gegenvorschlag: Bussen bis 100'000 Franken, die laut Gegenvorschlag für das Ignorieren von Sorgfalts- und Berichterstattungspflicht anfallen könnten; - bei besagten Konzernen würden die wohl als Spesen abgebucht, das jährliche Erstellen einer Hochglanzbroschüre als Werbung.

«Gleich lange Spiesse für alle»: Der nebenstehende SDA-Artikel: «Auch Brüssel will die Verantwortung von Unternehmen regeln» schafft Klarheit.
Mit der Annahme der Initiative wäre die Schweiz neu im europäischen Mittelfeld bezüglich verbindlicher Regeln für Konzerne.

Barbara Mujagic-Ott
Liestal

Zum Artikel: "Bundesrat argumentiert gegen Initiative", Bündner Tagblatt 07.10.2020

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