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Leserbrief

Stadtrat P. Degiacomi wehrt sich, hält Chur aber für zu wenig aufgeschlossen

Michael Kuster, Chur
23. September 2020, 18:06:21

Leider hat es der Churer Stadtrat abgelehnt, am Internationalen Tag der Homophobie die Regenbogenfahne zu hissen. Während weltweit auf die Missstände im Umgang mit der LGBT Community aufmerksam gemacht wurde, entschied sich Chur, nichts zu tun.
Statt sich solidarisch mit seinen schwulen, lesbischen und transsexuellen Einwohnern zu zeigen, kamen vom Stadtrat Argumente wie «Chur sei nicht so aufgeschlossen wie Genf oder Zürich», oder «man müsse dann für jede Organisation das Rathaus beflaggen». Hier stellt sich die Frage, ob die Stadt nicht für seine Bewohner da sein sollte?
Dass nun der Verein «sozialwerk.LGBT+» genau dieses Verhalten öffentlich anprangert, versteht der Churer Stadtrat Patrik Degiacomi gar nicht.
Ich, als Einwohner Churs finde das Verhalten dieser meiner Stadt doch etwas befremdlich. Chur ist keine Provinz, die Bevölkerung lebt nicht hinter dem Mond. Die Zeiten haben sich geändert. Diversität ist real und im Hier und Jetzt angekommen - auch unter den Bewohnern in Chur.
Vereine und Organisationen wie «sozialwerk.LGBT» setzen sich für die Gleichberechtigung dieser Menschen ein. Es geht um Networking, Aufklärung und sogar um Suizidprävention! Die LGBT Gemeinde ist immer noch Beschimpfungen und Gewalt ausgesetzt; Jugendliche, die sich outen, erleben, dass sich Familienmitglieder abwenden. Menschen aus diversen Kulturen müssen sich verstecken. Das Leid ist gross und die Dunkelziffer grösser. Es geht nicht um ein Hobby, es geht hier um Existenzielles, es geht um Menschen.
Als Bewohner dieser Stadt und diesem Land, zahlen Schwule, Lesben und Transsexuelle Steuern, nehmen ihre Pflichten als Bürger wahr, haben aber nicht die gleichen Rechte. Fairness sieht für mich anders aus.
Die Chance, aktiv ein Zeichen zu setzen, haben Sie, Herr Degiacomi verpasst. Es hat der Mut gefehlt ein neues Kapitel zu öffnen.
Vom neu gewählten Stadtrat erwarte ich einiges mehr an Courage und Verantwortungsgefühl. Chur ist bunt, Chur ist modern, Wir sind Chur!

Zum Artikel: Interview mit Patrik Degiacomi, SO GR 19.09.2020

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