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Leserbrief

Im Gehen verweilen

Corina Gantenbein, Fürstenaubruck
20. September 2020, 22:05:35

Im Gehen verweilen – hört sich komisch an, doch es ist möglich! So heute Sonntag um die Mittagszeit: Loslaufen, einzig die etwaige Richtung ist gegeben, ansonsten überlasse ich die Führung meinen Füssen und diese führen mich auf Wege, welche ich wohl nie gegangen oder schlichtweg nicht wahrgenommen habe. Nämlich die unermessliche Schönheit, welche sich darin verbirgt und sich mir in ihrem Sonntagskleid zeigte. Ein Stein, der mich anlächelt, erhasche ich doch ganz kurz ein Gesicht darin, welches mir ein Lächeln schenkt! Bin ganz einfach da in diesem Moment, den ich zu beschreiben nicht vermag, doch erfüllt mich eine grosse Dankbarkeit Eins zu sein mit dem Weg und diesen gehen zu dürfen. Auch wenn er zugegebenermassen nicht immer ganz leicht zu finden und zu besuchen ist. Aus einer Waldlichtung fährt ein Biker, so wählten wir – die Füsse und wer war denn noch dabei? – denselben Weg. Dieser führt uns zu einem Bach, der weit unten sich vom Dorfe her schlängelt, sichtbar wurde.
Der Baum, unter welchem ich mich hinsetzte, umsäumt von durch Sonnenlicht gewärmtem Moos – eine wunderbare Sitzgelegenheit um innezuhalten. Sitzen und schauen – in der Ruhe die stete Betriebsamkeit der Natur wahrnehmend, der Fluss ergiesst sich in brechenden kleinen Wellen immer und immer wieder… Die Vögel konzertieren um die Wette. Wenngleich ihre Stimmen unterschiedlicher nicht sein könnten, sich zu einem Ganzen zusammenfügend; von diesem unsichtbaren Dirigenten, derselbe ist im Fluss in dir und in mir wiederzufinden. Obgleich das ganze Gefüge doch sehr rasch auch Misstöne hervorrufen kann, wie wir in jüngster Zeit erfahren haben – ich denke, ihr wisst alle, wovon ich schreibe. Mir scheint es angebracht, auch dafür dankbar zu sein und zu erkennen, dass die Selbstverständlichkeit im Alltag eben nicht selbstverständlich und alleinseligmachend ist. Da war doch noch was!
Macht euch daran, in den kleinen Dingen die Vollkommenheit zu erkennen, wertzuschätzen und zu danken!

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