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Leserbrief

Neubau in Cazis: Fragwürdige Informationspolitik

Stefanie Roth, Cazis
06. September 2020, 16:20:09

An der letzten Gemeindeversammlung stimmten wir über ein grosses Bauprojekt ab, das von einem Investor gebaut wird, an dessen Finanzierung sich die Gemeinde aber zu über 70 % (!) beteiligen soll. Im zukünftigen Gebäude werden Laden, Gemeindeverwaltung, Büros und Wohnungen Platz haben.
Die Unterlagen zu diesem Projekt wurden nicht öffentlich zugänglich gemacht, trotz mehrmaliger Bitte dazu. Pikant dabei: Ausgewählte Stimmbürger & -bürgerinnen wurden jedoch vor der Versammlung von einem Behördenvertreter aktiv angegangen und exklusiv über das Projekt informiert. Dieses Vorgehen widerspricht massiv dem demokratischen Grundgedanken. Eine Botschaft wurde zwar verteilt, doch die Infos darin waren äusserst selektiv. Warum wurden die Gesamtkosten, der Landverkauf, der Name des Investors, die wirkliche Beteiligung der Gemeinde nicht erwähnt? Warum wurde auf die nicht mal halb so teure Variante, nämlich das bestehende Verwaltungsgebäude zu sanieren, nicht eingegangen? Immerhin rangiert Cazis gemäss Südostschweiz auf Platz fünf der ressourcenschwächsten Gemeinden im Kanton. Und warum wird diese Botschaft erst acht Tage vor der Abstimmung an die Haushalte verteilt? Die Möglichkeit, mit einem Leserbrief in der wöchentlichen Lokalzeitung die eigene Meinung sagen oder einen Antrag stellen zu können besteht somit nicht mehr.
Dem langjährigen Dorfladenbetreiber wurde bereits vorgängig gekündigt, eine Alternative im Falle eines negativen Entscheides wird erst gar nicht geprüft. Der Stimmbevölkerung wurde nach spärlichen Ausführungen gedroht: Entweder man stimmt diesem Projekt zu oder Cazis wird unweigerlich zu einem Schlafdorf ohne Einkaufsmöglichkeit und Post. Wer will das schon.
Ein Projekt mit Dorfladen an zentraler Lage ist an sich eine gute Idee. Die Verweigerung, den Bürger/-innen eine sachliche Vorbereitung zu diesem Traktandum zu ermöglichen, die intransparente und selektive Informationspolitik hinterlassen aber viele offene Fragen. Und einen äusserst fahlen Beigeschmack.

Zum Artikel: "Ein Ja nach grossen Diskussionen", GR, 28.08.20

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