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Leserbrief

Mit nur drei Frauen im Churer Gemeinderat sind nicht alle Interessen vertreten

Fritz Schulthess, Chur
06. September 2020, 20:23:26

Der Anteil der Frauen im Churer Gemeinderat ist nur 14%. Ein Grund dafür mag sein, dass sich weniger Frauen als Männer zur Verfügung stellen oder aufgestellt werden, wobei es parteilich grosse Unterschiede gibt. So ist der Frauenanteil der Kandidierenden bei den bürgerlichen Parteien 8-25% gegenüber 38-57% bei den linken. Daneben wählen offensichtlich und unabhängig von der politischen Orientierung Männer und Frauen bevorzugt Männer. Eine Studie des FORS zeigte, dass Frauen und Männer von Wählern verschiedene Kompetenzbereiche und Charaktereigenschafen zugeschrieben werden, was bewirkt, dass Frauen als weniger geeignet angesehen werden, in der Politik tätig zu sein. Politikerinnen haben in der Tat teilweise andere Präferenzen und positionieren sich in wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen tendenzmässig weiter links als ihre Parteikollegen, weil sie durch ihre gesellschaftliche Rolle unterschiedliche Erfahrung machen. Aber Zweck und Stärke eines Milizsystems sind es ja gerade, dass die verschiedenen Erfahrungen ins Regieren miteinbezogen werden und so nicht am Volk vorbeipolitisiert wird. Wie z.B. bei der Abstimmung über die Abschaffung von Zusatzleistungen von Bedürftigen vor sechs Jahren in Chur, als eine Mehrheit im Gemeinderat dafür war, wogegen das Volk klar Nein sagte. Oder bei der Abstimmung über die Kürzung des Lohnes des Stadtrates vor vier Jahren, die entgegen der Empfehlungen des Gemeinderates vom Volk mit 62% angenommen wurde.
Beim Durchlesen der Webseiten der Parteien fand ich keine offensichtlichen Unterschiede in den Kompetenzen zwischen männlichen und weiblichen Kandidaten. Ich werde deshalb vor allem Frauen wählen, damit all diese verschiedenen Erfahrungen in der Politik dieser Stadt gedeckt werden.

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