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Leserbrief

Jagdgesetz hätte unrealistische Vorgaben zur Folge

Silva Semadeni, Altnationalrätin, Chur
05. September 2020, 15:08:17

Im Parlament in Bern haben sich radikale Positionen durchgesetzt, insbesondere was den Wolf betrifft. Die beste Antwort auf die natürliche Rückkehr der Wölfe ist nicht der präventive Abschuss der Wildtiere, wie im neuen Jagdgesetz vorgesehen, sondern der Herdenschutz. Dieser kann effizienter, die Schaf- und Ziegenhalter können besser unterstützt werden. Nun schreibt die Bündner Regierung in einer Medienmitteilung vom 25. August 2020, dass es nach einer Annahme des neuen Jagdgesetzes zusätzliche Regulierungsschritte braucht. Sie spricht von einer Begrenzung der Wolfspopulation auf eine bestimmte Zahl an Einzeltieren je Gebiet, von der Festlegung einer für den Schweizer Alpenbogen maximalen Zahl an Rudeln und sogar von bundesrechtswidrigen «wolfsfreien Gebieten». Die Wildhüter wären dann nicht zu beneiden, wenn sie diese unrealistischen Vorgaben umsetzen müssten. Falls am 27. September die missratene Revision des eidg. Jagdgesetzes nicht abgelehnt wird, sind also Abschüsse von Wölfen und Wolfsfamilien in völliger Verkennung ihres natürlichen Verhaltens zu erwarten.
Für einen sorgfältigen, naturgerechten Umgang mit allen unseren Wildtieren stimme ich Nein zum revidierten Jagdgesetz. So bekommt das Parlament die Chance, eine bessere Vorlage zu erarbeiten.

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Die "Radikalität" kann den Gegnern des neuen Jagdgesetzes ebenfalls vorgehalten werden. Die sind im Gegensatz zu zu den Befürwortern zu keinem Kompromiss bereit. Da Sie ja nun in Rente sind, könnten Sie Ihr grosses theoretisches Wissen über den Herdenschutz nächsten Sommer in einer abgelegenen Alp praktisch umsetzen und den Hirtinnen/Hirten Anleitung geben und vor allem selbst Hand anlegen.