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Leserbrief

Es geht nicht nur um den Wolf!

Urs Bütikofer, Bündner Vogelschutz (BVS), Masein
04. September 2020, 10:57:38

Hier in Graubünden können wir gut nachverfolgen was passiert, wenn Kantone in Zukunft freie Hand bei Abschüssen von geschützten Tierarten bekommen: Seit 2015 hat das Amt für Jagd und Fischerei (AJF) 97 geschützte Graureiher im Kanton illegal abgeschossen. Obwohl ein Bundesgerichtsurteil von 2015 dieses Vorgehen klar verbietet. Der Bündner Vogelschutz (BVS) hatte 2017 mit anderen Organisationen das Amt auf sein illegales Handeln hingewiesen, aber ohne Erfolg. Es wurden weiterhin geschützte Graureiher abgeschossen. Damit sollte den Fischern suggeriert werden, dass diese Vögel an der erschreckenden Fischarmut in Bündner Gewässer die Schuld tragen. Es braucht natürlich mehr Mut, sich mit den Kraftwerksbetreibern wegen zu starkem Sunk und Schwall, ungenügenden Restwassermengen etc. anzulegen, als eine Flinte abzufeuern. Eine Privatperson würde wegen wiederholter Wilderei mit einem Aufenthalt im neuen Gefängnis in Cazis beglückt. Ein AJF aber steht in GR anscheinend über dem Gesetz. Solche Vorkommnisse führen uns vor Augen, was bei einer Annahme dieser Verschlechterung des Jagdgesetzes passieren wird: Statt Probleme an der Wurzel zu bekämpfen, würden diverse geschützte Tierarten weiterhin aus der Landschaft geschossen. Der Wolf? Nach dem heutigen Jagdgesetz kann der Wolf schon jetzt reguliert werden. Das beweisen die vom Bund ohne Wenn und Aber bewilligten Abschüsse beim Calanda- und Beverinrudel. Nun sollen zukünftig Abschüsse ausgerechnet in die Kompetenz eines Kantons fallen, der sich schon bisher nicht an die Rechtslage gehalten hat? Und dies in einer Zeit, wo diverse Tierarten am Verschwinden und Aussterben sind? Erinnern wir uns noch, wie Steinbock, Hirsch und Reh, ganz oder teilweise im 19. Jahrhundert in der Schweiz ausgerottet waren? Eine solche Situation für andere vom Aussterben betroffene Tierarten wollen wir nicht mehr und stimmen Nein. Das Parlament hat dann die Möglichkeit, das Jagdgesetz auf eine vernünftige Art anzupassen.

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Jeder Kanton hat andere Gegebenheiten von der Topograghie und soll darum selber entscheiden können. Es muss auch auf jede geschützte Tierart speziell geschaut werden. Aber es kann doch nicht sein, dass ein Wolf zuerst 30 Schafe oder mehr verletzten und leiden lassen, bis er geschossen werden darf. Wenn er statt Rotwild nur Nutztiere aufsucht, weil diese leichte Beute sind, dann soll man ihn schiessen dürfen, bevor er unnötig Leid verursacht.
Das selbe haben wir ja auch bei den Menschen, die wohl sehr auffällig sind und mehrfach behandelt, aber keine Straftat begangen haben, aber erst bestraft werden können, wenn sie jemanden getötet haben!!