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Leserbrief

Landsgemeinde Glarus

Martin Hartmann, Ziegelbrücke
29. Juli 2020, 09:31:30

In den letzten zwei, drei Wochen las ich einige Leserbriefe zum Thema Landsgemeinde im Kanton Glarus. Der letzte äusserte sich am 28. Juli 2020 sehr episch für die Landsgemeinde, und ich hatte den Eindruck, ohne Landsgemeinde wäre die Demokratie abgeschafft. Gibt es denn in den übrigen 24 landsgemeindslosen Halb- und Ganzkantonen der Schweiz keine Demokratie?
Unter Demokratie verstehe ich eine Regierungsform, in der JEDE/R Stimmberechtigte die Möglichkeit hat, Entscheide mitzubestimmen. Hätten auf dem Zaunplatz in Glarus über 26'000 Leute Platz? Auch bei einer durchschnittlichen Stimmbeiteiligung von 40 bis 45 Prozent haben nicht alle Platz. Der Kanton Glarus wird von höchstens 2'500 bis 3'000 Menschen bestimmt. Ist das Demokratie?
Nicht mal im Notfall (Krise) gibt es die Alternative Urnenabstimmung. Man verschiebt einfach auf später. Was ist denn, wenn im September die zweite Corona-Welle schwappt und eine Landsgemeinde nicht möglich ist? Entscheide werden vertagt - ist das Demokratie?
Politische Entscheide fallen in letzter Zeit immer knapper aus. Die Landsgemeinde ist nicht in der Lage, einen Mehrheitsentscheid wie bei der MEI (50.3%) zweifelsfrei festzustellen. In diesem Beispiel wären das ca. 10 Stimmen im Ring. Ist das Demokratie?
Wovor hat die Obrigkeit Angst vor Hilfsmitteln zur Mehrheitsfindung an der Landsgemeinde oder vor Urnenabstimmungen? (Honit soit qui mal y pense.)
Warum gibt es nur noch zwei Landsgemeinden in der Schweiz und nur eine, mit solchen Kompetenzen für einige wenige?
Traditionen sind gut, aber nicht nur um der Tradition Willen.
Ein Schamauch (Name)

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