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Leserbrief

Was haben die Afrikaner der Welt gebracht?

Fritz Schulthess, Chur
21. Juni 2020, 20:06:22

Die Diskussion um den Mohrenkopf ist bloss eine Alibiübung. Wie steht es dann um die politische Korrektheit bei Namen von Ländern wie Nigeria und Niger, Mauretanien (von Lateinisch «maurus» für Mohr) oder Äthiopien, das sich von Griechisch für verbranntes Gesicht ableiten lässt?
Rassismus ist z. T. die Folge von Ignoranz. Wer sich fragt, was Afrika für die Welt geleistet hat, soll sie sich mal ohne die Afroamerikanische Musik vorstellen, ohne Reggae, R&B, Rock&Roll, Rap und Dutzende andere Musikrichtungen. Sogar der Rechtsrock der Neonazis basiert auf dieser Musik. Welcher populäre lateinamerikanische Rhythmus ausser Tango ist nicht ursprünglich afrikanisch? Es ist eindrücklich, wie afrikanische Sklaven unsere Kultur nachhaltig beeinflusst haben. Ein anderes Beispiel ist die Rolle der Araber bei der Erhaltung der Wissenschaftsphilosophie während des Mittelalters, ohne die der heutige technische Standard nicht denkbar wär. Aber sowas lehrt man in der Schule nicht.
Die genetische Variabilität zwischen den Menschen ist extrem gering. In der Vergangenheit geschah eine grössere Katastrophe, die uns beinahe ausgerottet hätte. Wir stammen von wenigen Individuen ab. Natürlich gibt es äussere Unterschiede, aber die fallen uns nur darum auf, weil wir von klein auf so geprägt worden sind. Sie basieren auf wenigen Genen und es wäre ein grosser Irrtum zu glauben, dass es eine Beziehung zwischen äusseren Merkmalen und inneren Qualitäten gäbe. Rassismus hat nun mal keine wissenschaftliche Basis. Aber dieser Mangel an Vertrauen in die Wissenschaft zeigt sich auch beim Coronavirus und dem menschengemachten Klimawandel. Das Problem liegt in unserer Bildung, die uns nicht lehrt, was Wissenschaft eigentlich ist und wie die Welt ohne sie war und wär. Dabei wäre es bei den heutzutage herrschenden Möglichkeiten der Desinformation wichtig, unterscheiden zu können zwischen Fakt und Fiktion und Spezialist und Scharlatan, viel wichtiger als eine zweite Fremdsprache in der Primarschule.

Zum Artikel: Wir werden im geistigen Desinfektionsmittel ertränkt, Südostschweiz, GR, 20. Juni 2020

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