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Leserbrief

Von Zoos und anderen Dingen

Erika Cahenzli-Philipp,
03. Mai 2020, 17:48:49

Von Zoos und anderen Dingen

Das Virus hat auch in den Kirchgemeinden Vieles verändert und Gottesdienste und Beerdigungen können nicht in gewohnter Form durchgeführt werden. Taufen, Konfirmation, Trauungen und hohe Festtage als rhythmisierende Elemente unseres Lebens fehlen zur Zeit. Ohne Feste, ohne gemeinsames Feiern wird das Leben eintönig, flach, es fehlen die gesellschaftlichen Höhepunkte. Die Tage fliessen in einander über, werden wenig fassbar, Sonntage sind Alltag. Der Wert von Ritualen wird durch den Mangel erkannt. Trotzdem ist in dieser Situation viel Schönes entstanden. Solidarität wird gelebt, Nachbarschaftshilfe blüht auf, ganz selbstverständlich werden neue, kreative Formen gefunden, einander nahe zu sein. Kirche mit und für die Menschen wird gelebt, wir lassen uns nicht abhalten.

Gespannt haben wir auf den Lockerungsfahrplan des Bundesrates gewartet. Werden die Gottesdienste erwähnt? Ja, tatsächlich, die vielgepriesene Perspektive zeichnet sich ab! Knapp nach den Türen zu Zoos scheinen sich auch die Kirchentüren wieder öffnen zu dürfen. Soll ich mich über diese Priorisierung ärgern oder soll ich schmunzeln? Ich entscheide mich fürs Zweite, denn die Freude und die Dankbarkeit für das grundsätzlich umsichtige Handeln der Exekutiven überwiegen.

Erika Cahenzli-Philipp, Kirchgemeindepräsidentin, Untervaz

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Verehrte Frau Kirchengemeindepräsidentin, ohne «gesellschaftliche Höhepunkte» finden Sie das Leben eintönig? Aber hat dieser bisherige Way of Life nicht gegenteiligerweise sogar gegenteilig gewirkt – als zunehmender Tiefpunkt für unsere Mutter (Erde)?
Also für mich könnte es gerne so «Reformiert» (ist das nicht eine Kirche?) lockdowned weitergehen, und ohne den Kirchentüren zu nahe treten zu wollen, aber dass die Zoos zuerst öffnen finde ich grad schmunzelnd besser, dort fühle ich mich halt auch mehr verstanden.
Siehe meinen Kommentar:
https://www.suedostschweiz.ch/leserbriefe/2020-05-03/leserbrief-zu-arti…