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Leserbrief

Tessin - Grenze sperren

Jürg Walter Meyer,
13. März 2020, 08:45:04

Tessin: Wirtschaft oder Gesundheit - was hat Priorität?

Der Kanton Tessin hat am Mittwoch den kantonalen Notstand ausgerufen, aber die Grenze nach Italien bleibt offen: Tagtäglich fluten rund 68‘000 Grenzgänger aus Norditalien, das vom Virus sehr stark befallen ist, in die Schweiz. Herr Mathys vom BAG in Bern «hinter den Bergen» meint, ein «Reduit gegen Viren» gebe es nicht. Davon spricht auch niemand. Fest steht und da kann Herr Mathys nichts dagegen einwenden: je mehr Personen täglich von Italien in die Schweiz einreisen, umso grösser ist die Gefahr, dass Coronaviren aus Italien in die Schweiz eingeschleppt werden. Wieso kann man nicht selektiv die rund 4‘000 Grenzgänger, die im Kanton Tessin im Gesundheitswesen tätig sind einreisen lassen? Muss man wegen diesen weitere 64‘000 Grenzgänger tagtäglich in die Schweiz einreisen lassen und das Risiko der Einschleppung bzw. Übertragung der Viren so deutlich vergrössern? Auch Politiker des direkt betroffenen Tessins sprechen von Grenzschliessung mit Ausnahmen für einige Grenzgänger.

Restlos unverständlich ist die Haltung des Chefs Inland einer Schweizer Zeitung, der kategorisch fordert: «Die Corona-Krise rechtfertigt es zum jetzigen Zeitpunkt nicht, [im Kanton Tessin] die Gesamtwirtschaft lahmzulegen. Das hätte zu drastische Folgen.»
Dazu ist zu bemerken:
1. Davon spricht auch niemand. Es geht ja nur um Grenzgänger aus Italien.
2. Diese Haltung, die Gesundheit der Bevölkerung der «Wirtschaft» unterzuordnen, ja zu opfern, resultiert aus der Angst, dass die Auswirkungen des Coronavirus - zusammen mit der Flüchtlingskrise - die Zustimmung zur SVP-Initiative «Für eine massvolle Zuwanderung» (Abstimmung am 17. Mai) erhöht. Doch sind wir froh, dass wir noch Grenzen haben, so dass wir bei Bedarf die Einreise regulieren, ja - im Notfall - ganz unterbinden können.

Das Coronavirus wird uns noch lange nicht freigeben - eine Rückkehr zum Status quo ante wird es nicht geben. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Zum Artikel: Tessiner Regierung ruft den Notstand aus (GR/11.03.2020)

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