×
Leserbrief

Trumps "Friedensplan"

Jürg Walter Meyer,
31. Januar 2020, 11:05:27

Es bleibt nicht beim Plan - seine Umsetzung folgt!

Verhalten kritisch bis ablehnend - das ist in etwa die Reaktion der Medien in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu Trumps „Friedensplan. Es hat den Anschein, als ob die Berichterstattung über den Coronavirus dankbar ausgebaut wird, um am heiklen Thema Palästina vorbeizukommen. Unterschwellig ist die Hoffnung zu spüren, dass es bei der Drohung "Friedensplan" bleiben wird.

Das sehe ich eindeutig anders: Ich bin überzeugt, dass Trump es nicht bei einem Plan bewenden lassen wird als eine Art Wahlveranstaltung für Netanyahu. Nein - Trump wird das in seinem Auftrag von seinem Schwiegersohn Kushner und in Absprache mit dessen Nenn-Onkel Netanyahu - ausgearbeitete Konzept 1:1 so rasch wie möglich umsetzen. Trump wird eine Verurteilung Israels im Sicherheitsrat mit dem US-Veto verhindern - wie schon des Öfteren geschehen.

2019 hat Trump bereits tüchtig Vorarbeit geleistet: Er hat Jerusalem als „ungeteilte“ Hauptstadt Israels anerkannt und die US-Botschaft aus Tel Aviv nach Jerusalem verlegt. Er hat die Golan-Höhen als israelisches Staatsgebiet anerkannt. Er hat das Iran-Abkommen gekündigt und die Sanktionen gegen das iranische Regime wiedereingeführt. (Quelle: «Jüdische Allgemeine» vom 27.03.2019).

Netanyahu wird dank der zeitgerechten „Friedensplan“-Verkündigung - im Hintergrund die Gedenkfeiern zur Befreiung des KZ Auschwitz - im dritten Anlauf doch noch als Ministerpräsident Israels gewählt werden. Netanjahu erklärt, er werde die (völkerrechtswidrige) Annexion des Jordan-Tales und der Siedlungen in Judäa und Samaria gemäss der Trump‘schen Doktrin des Rechts des Stärkeren schnellstens realisieren - man müsse nicht auf den Friedensplan warten. Wer will ihm da in die Arme fallen? Macron überlegt, die EU kündigt eine Prüfung an, die Arabische Liga ist handlungsunfähig, denn Saudi-Arabien wird von den USA im verlustreichen, bis jetzt erfolglosen Krieg im Jemen unterstützt. Jordanien, ein Nachbar Israels ist an sich schwach, finanziell auf die USA angewiesen, wirtschaftlich (u. a. Erdgas) von Israel abhängig und durch den Friedensvertrag mit Israel gebunden. So auch Ägypten, dessen Herrscher Abdel Fatah El-Sisi sich nur mit Gewalt an der Macht halten kann. König Salman versicherte Präsident Abbas am Telefon des "uneingeschränkten Rückhalts" durch Saudi-Arabien - hohle Worte, die schon morgen vom Winde verweht sein werden. Die Botschafter der Emirate (VAE), von Oman und von Bahrein waren bei der Verkündigung des "Friedensplans" anwesend und haben applaudiert.

Nur der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan - kein Araber - fand die richtigen Wort: "absolut inakzeptabel".

Jedoch - wer wird Trump und damit Netanyahu noch rechtzeitig mit Macht in den Arm fallen?

Zum Artikel: "Trumps Nahost-Plan sieht Zwei-Staaten-Lösung vor Diensttag", GR 28.01.2020

Kommentar schreiben

Kommentar senden

Herr Meyer,
Sie haben scheinbar in der Gegend gelebt und gearbeitet, sonst könnten Sie doch nicht so viele Informationen mit Sicherheit in Ihrem Beitrag einschließen. Schreiben Sie das alles um uns zu informieren oder uns zu überzeugen , dass wie Sie das sehen korrekt ist.