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Leserbrief

Oberdorf Jenaz

Samy Bill,
09. Dezember 2019, 16:54:52

Dank an den Gemeindevorstand von Jenaz...
Letzte Woche konnten die Anwohner des Oberdorfs in Jenaz dem Amtsblatt entnehmen, dass der Gemeindevorstand beschlossen hat «aus Sicherheitsgründen […] die Kehrichtsammelstellen Platz und Karlihof […] zu schliessen».
Für diese Massnahme gebührt dem Vorstand grosser Dank, schlägt er doch damit in weiser Voraussicht mehrere (Kehricht-)Fliegen mit einer Klappe:
Da im Oberdorf einige ältere Personen wohnen, die nicht mehr so gut zu Fuss sind, motiviert der Vorstand sie, wieder längere Wanderungen auf Eis und Schnee zu unternehmen, was gut für die Gesundheit ist. Dies dient nicht nur der Kräftigung der Muskulatur, was bei Leuten mit Osteoporose sehr wichtig ist, sondern auch der Vorbeugung der Altersdepression. Leider findet die Wanderung jeweilen am Dienstag vor der Tagesdämmerung des Winters statt, so dass noch keine Vitamin D-Produktion durch UV-Strahlung erwartet wird.
Da die Gemeindespitze listigerweise nicht angegeben hat, wohin den der Müll gebracht werden soll, ergibt sich für die Oberdörfler ein morgendliches, heiteres Suchspiel, ein Foxtrail für Senioren sozusagen, was ja der Kommunikation unter den NachbarInnen dient und der Vereinsamung im Alter entgegenwirkt.
Damit die Betroffenen nicht auf den Vortag ausweichen und ihren Abfall bei Tageslicht entsorgen, hat der Gemeindevorstand vorausschauend vor einigen Wochen gemahnt, er werde dies gegebenenfalls «ahnden». So müssen sich auch die eingerosteten RentnerInnen, welche jeweilen morgens noch etwas Schlaf nachholen, anziehen und vor dem ersten Kaffee die frische Winterluft einatmen, was eben auch als Krankheitsprävention gesehen werden kann.
Mit all diesen Massnahmen kommen wir dem Ziel näher, weniger Abfall zu produzieren. Brennbares lässt sich ja auch in den Holzöfen entsorgen, welche es ja im Oberdorf genügend gibt. Somit dient dies auch dem Umweltschutz.
Für die Familien mit Kindern ergibt sich ausserdem die Gelegenheit, ihren Nachwuchs mit dem Ämtli «Kehrichtsackwandern» zu disziplinieren, was für die Jugend eine wertvolle Erziehungsmethode bedeutet.
Man möge nun einwenden, dass auch die Bewohner des Oberdorfs ihre Gebührensäcke und ihre Steuern bezahlen und somit Anrecht auf eine gleiche Kehrichtentsorgung hätten wie die restlichen JenazerInnen. Das aber ist nur kleinlich und kommt von denen, die sowieso ihren Dreck im YSUV verstauen und in den Fuchsenwinkel fahren. Dort können sie dann auch ihre blöde Mülltrennung gegebenenfalls ausleben.

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Oberdorf Jenaz: Das ist wieder einmal ein Typischer Schnellschuss eines Hobi-Politikers der nur nach seinem Persönlichen Interesse entscheidet, die Weitsicht für die Allgemeinheit fehlt Ihm. Die Gemeinde hat doch einen Jeep (Forstdienst) und einen Transporter (Werkdienst)!? - So, - los gets, - holt die Säcke, kostet ja nichts und das Problem ist gelöst! Gruss Hans Peter Lingenhag

Köstlich, Samy Bill, ich würde gerne Ihre gesammelten Werke bestellen (Subskription oder egal wie), und das Gesundheitsamt sollte Ihnen den Kantons-Oscar für Alters- und Minderheitenschutz sowie Heiterkeit (statt Heiserkeit) im Winter zuerkennen.
Staatlicherseits wird teils schon Marketingsprache wie im Werbe-TV eingesetzt, werden Nachteile (auch bei Post/SBB) als Vorteile hochgelobt, beispielsweise die Moloks in Chur, wo die politischen Mandatsträger ihre Wähler zu Müllträgern machten mit oft nicht kurzen Transportwegen.
Rationalisierungen/Einsparungen sollten deshalb einer Sozialverträglichkeitsprüfung vorunterzogen werden (ähnlich der Umweltverträglichkeitsprüfung bei einem Bauprojekt), denn durch Krankheit oder Alter geschwächte bzw. behinderte Menschen benachteiligt solche "Aufgabenverschiebungen" primär.
Eine Möglichkeit wäre, dass der Staat subsidiär eine Nachbarschaftshilfe (eine Art Zivildienst jederzeit) initiieren/gewährleisten würde.
In der Schweiz wird zwar bereits sehr viel Freiwilligen-Arbeit geleistet,
https://www.suedostschweiz.ch/leserbriefe/2018-03-21/gute-betreuung-im-…
wenn auch vermutlich eher durch Pflegende Angehörige, jedoch wer hat diese noch, unsere Gesellschaft ist sehr am Vereinzeln, Vereinsamen (vgl. auch Statistik Singlehaushalte)
https://schulesocialmedia.com/2012/04/23/digitale-einsamkeit-die-verlor…
und die Krankenwesenkosten-Prognosen immens, umso mehr bräuchte es eine Organisationsform, die Einsamen einander näherzubringen.
Mein wiederholter Appell ans Gesundheitsamt bzw. den GR-Gesundheitstourismus (der gemäss Medienberichten auch nach fünf Jahren noch quasi ohne Inhalte sei):
https://www.deutschlandfunkkultur.de/manfred-spitzer-einsamkeit-die-une…

"Christian Boner", ich finde in Ihrem Text alles falsch.

Sie nehmen die "arme Obrigkeit" in Schutz statt die Opfer. Ich erlebe es meist als Märchen, dass man sich an "die da Oben" wenden könne, und dann werde schon alles gut/gerecht. Das Internet ist voll von Menschen, die dem Verführtwerden "gehen Sie doch freundlich das Gespräch suchen mit... zum Beispiel Nachbarn, die wieder einen Höllenlärm machen" folgten und äusserst schlechte Erfahrungen machten, "unter null" (schlechter als vorher), ergo nur andere Instanzen/Dritte Klärung brachten.

Es sei wiederum erinnert an Post/SBB, an Bolgenplaza und einen ähnlichen Fall in Brigels, und sogar die Kehrichtstory Jenaz hat einen prominenten Vorläufer (Eisbergspitze, die meisten werden erst gar nicht in der Zeitung stehen, wie immer auf dieser Welt), wo "reden", Herr Boner, nichts half, die Opfer sogar bis vor Bundesgericht mussten (oje, wer hält sowas gesundheitlich und finanziell durch?):

https://www.suedostschweiz.ch/politik/2017-05-03/aerger-um-ein-kehrichthaeuschen

In der Regel dürften die Mächtigen eiskalt darauf setzen, dass die Schwachen eh keine Kraft haben zu Mucksen oder ihnen "der Schnauf ausgeht", wie es Denise Erni (SO 11.12.2019) titelt punkto Einsprecher zum Domenig-Grosskino Chur.

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