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Leserbrief

HF-Ausbildung in Gefahr

Franziska Kipfer,
16. Oktober 2019, 20:13:10

Ausbildung HF Pflege in Gefahr

Dem Auftrag Holzinger-Loretz an die Regierung, den Pflegenotstand als Herausforderung ernst zu nehmen, ist grundsätzlich nichts entgegenzusetzen. Fraglich ist einzig der fokussierte "Lösungsweg", das langjährig bewährte Schulortsprinzip der Direktanstellung durch die Betriebe preiszugeben.

Fact ist, dass bereits heute die Direktanstellung durch die Betriebe möglich ist und das ist gut so. Als Mitentwicklerin und Ausbildungsverantwortliche eines berufsbegleitenden HF-Ausbildungsganges erlebe ich eine sehr gute Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen für die betriebliche Anstellung und Berufsbildenden in zwei Langzeitbetrieben. Die betriebliche Direktanstellung ist gerade für Studierende, die bereits etwas älter oder aus verschiedenen Gründen ortsgebunden sind, eine gute Alternative zum Schulortssystem. Dies ist auch im Sinne des BGS und gilt es auch auszubauen.

Leider fehlt es gegenwärtig an Betrieben, die einen zusätzlichen Ausbildungsplatz zur Verfügung stellen. Ob ein Systemwechsel diesen Mangel an Praktikumsplätzen beheben wird? Wohl kaum. Immerhin entscheiden sich aktuell neun von zehn HF-Interessierten für eine Anstellung am BGS. Diese Zahl spricht klar für die Qualität an diesem Bildungszentrum. Und ein klares Plus liegt gerade am System selber. Das Schulortsystem ermöglicht den Studierenden, ein Blick in verschiedene Praktikumsbetreibe zu erhalten, was bei der betrieblichen Anstellung nur vereinzelt möglich ist.

Der Mangel an Pflegefachpersonal in der Langzeitpflege ist ein Problem und wird sich in Zukunft noch verstärken. Dem kann auch ein Systemwechsel nichts entgegenhalten. Im Gegenteil, damit verbunden wäre ein Wegfall aller ausserkantonalen Studierenden und ein erschwerter Zugang für alle Studierenden mit irgendeiner dreijährigen Ausbildung EFZ (Quereinsteiger) oder Maturitätsabschluss. Gerade auch diese Studierenden werden aufgrund ihres anderswertigen Erfahrungshintergrundes als grosse Bereicherung erlebt - ein drohender schmerzlicher Verlust.

Bewahren wir das jetzige System, das den potentiellen HF-Studierenden die Wahlmöglichkeiten offenlässt, mit wem sie den Ausbildungsvertrag abschliessen möchten – nur gemeinsam sind wir stark gegen den Fachkräftemangel.

Franziska Kipfer, Lehrperson BGS, AV Heimverbund Surselva

Zum Artikel: Auftrag Holzinger-Loretz betreffend Ausbildung HF

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