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Leserbrief

Orgelkonzert von Sonja Betten in Maienfeld

Werner Tiepner,
02. Oktober 2019, 15:49:59

Geniale Fingerfertigkeit, hervorragende Beinarbeit und makellose Artikulation - ein Klangerlebnis erster Güte

Am Sonntag, den 29. September 2019 erklang um 17 Uhr in der Amanduskirche in Maienfeld die Königin der Instrumente, die Abbrederis - Orgel von 1724, in all ihren Klagfarben, welche die international anerkannte Konzertorganistin von Weltklasse Sonja Betten durch ihre trefflichen Registrierungen und ihr fein differenziertes Orgelspiel meisterhaft zur Geltung brachte. Sonja Betten zelebrierte das Orgelspiel auf meisterliche Art und Weise und zog alle Register des Orgelspiels. Mal seufzte die Orgel wehklagend, mal erklang sie melancholisch, mal in mystischer Ruhe schwebend, dann triumphierte sie, frohlockte, jauchzte, ja versprühte sogar feurige Klangfunken. Das Konzert setzte mit Dietrich Buxtehudes «Magnificat prima toni», BuxWV 203 festlich ein. Meisterhaft wurden von Sonja Betten die Höhepunkte der wohl als einer freien Magnificat - Phantasie gedachten Komposition herausgearbeitet. Das Wechselspiel von Leichtigkeit und Lebendigkeit und meditativer Ruhe kam hervorragend zur Geltung. Als Bachspezialistin erwies sich Sonja Betten in «Praeludium und Fuge g-moll», BWV 535 von Johann Sebastian Bach. Das Praeludium hat kompositorisch zu Beginn Verwandtschaft mit dem Kompositionsstil Buxtehudes, später folgen virtuose Passagen, die Sonja Betten mit ihrer bravourösen Fingerfertigkeit und Spiellust zu Gehör brachte, auf die dann über einen langen Zeitraum chromatisch absteigende Akkordbrechungen erklingen. Diesen schmerzhaften Affekt kostete die Organistin mit grossem Tiefgang aus. In der Fuge wurden von Sonja Betten die Stimmen fein und transparent zur Geltung gebracht. Gegen Ende, nach dem neapolitanischen Sextakkord und einem abrupt abreissenden Akkord mit folgender kleiner Zäsur, welche die Organistin überzeugend aushielt, wurde dann das Passagenwerk des Praeludiums wieder aufgenommen und das Werk grandios beschlossen. Sonja Betten lies mit ihrem filigranen Spiel in den beiden Flötenuhr - Stücken von Wolfgang Amadeus Mozart, genialen Kompositionen, durch die Orgel Spieluhren erklingen. Sowohl Mozarts Leichtigkeit und Witz in der Musik erklangen bei der Organistin aufs Trefflichste, als auch Mozarts melancholisch - schwermütige Klänge. In der Partita über das Erntedanklied «Wir pflügen und wir streuen» von Hans Uwe Hielscher ertönten in den Variationen unterschiedlichste Klangfarben und Stile. So konnte man Elemente der Volksmusik, aber auch Elemente des Jazz vernehmen. Hier bewies die Organistin, dass verschiedenste Musikstile, welche die bunt gemischte Zuhörerschaft ganz unterschiedlich ansprechen sollten, dank ihrem Können bunt und vielfältig wahrgenommen werden konnten. Packend und phantasievoll wurden von Sonja Betten «Variationen über ein Originalthema», opus 34 von Adolph Friedrich Hesse vorgetragen. Besonders das virtuose Pedalspiel der Organistin in Variation 5 und ihr feuriges Spiel, con fuoco, begeisterten das Publikum. Zum Abschluss spielte Sonja Betten mit grosser Überlegenheit die «Sonate Nr. 1 in f-moll», op. 65/1 von Felix Mendelssohn Bartholdy. Im ersten Satz «Allegro moderato e serioso» war der Wechsel vom grossen forte zum mystischen piano über den Choral «Was mein Gott will, das g’ scheh allzeit» ganz besonders schön. Die lyrischen Klänge, die Innerlichkeit und die Besinnlichkeit erklangen im zweiten Satz «Adagio» durch die Organistin auf eindrückliche Weise. Im dritten Satz «Andante» ergriff zutiefst das Orgelspiel Sonja Bettens. Die starken Kontraste, die leisen Rezitativteile, auf die vollgriffige Akkorde folgten, brachten im phänomenalen Orgelspiel Sonja Bettens die innere Zerrissenheit von Felix Mendelssohn Bartholdy zum Ausdruck. Der virtuose Schlusssatz «Allegro assai vivace» setzte dem reichhaltigen Programm den fulminanten Stern auf. Der Dank der Zuhörerschaft kam im tosenden Applaus und Standing Ovations zum Ausdruck. Die bescheidene und sympathische Organistin Sonja Betten erfreute dann die Zuhörer noch mit der Zugabe «Jesus bleibet meine Freude» aus der Bach - Kantate Nr. 147 von Johann Sebastian Bach, die manchen Zuhörer zu Tränen rührte.

Werner Tiepner, Igis

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