×
Leserbrief

Steinbruch Valzeina, Gemeindefusionen und ihre Nachteile

Michael Balzer,
29. September 2019, 11:43:50

Eine Fusion kann ins Abseits führen

In der Hoffnung auf bessere Zeiten hat die Gemeinde Valzeina vor einigen Jahren ihre Selbstbestimmung aufgegeben. Nach der Fusion mit Fanas und Grüsch haben die wenigen Vorteile dieser politischen Vereinigung einen so tiefen Stellenwert erreicht, dass diese kaum mehr wahrgenommen werden. Ein Selbstverschulden müssen wir uns natürlich eingestehen, weil niemand mehr bereit ist, den abgelegenen Ortsteil unten in Grüsch zu vertreten, nicht einmal jene ehemaligen Amtsträger, die den Fusionsprozess damals mitbestimmt haben.

Bald soll nun aber die Rechnung ohne uns Valzeinerinnen und Valzeiner gemacht werden. Ein altes Steinbruchprojekt auf dem ehemaligen Gemeindegebiet von Valzeina aus den Neunzigerjahren, mit realen Chancen zur grössten Bündner Sondermülldeponie zu werden, hat die Grüscher Gemeindebehörde inzwischen nach erstmaligem Scheitern wieder aus der Schublade geholt. Acht Millionen Kubikmeter Gestein soll in einem Zeitraum von achtzig Jahren unterirdisch abgebaut werden! Die selbst initiierte Unterschriften-Sammelaktion als Petition zuhanden der anstehenden Gemeindeversammlung beweist, dass dieses Projekt heute erst recht von der Valzeiner Bevölkerung die Landquart bachab geschickt würde. Ob uns dies nach der politischen Neutralisation ein weiteres Mal gelingt, ist heute zumindest fraglich.

Deshalb möchten wir mit weit über 200 Unterschriften bekunden, dass dieses Vorhaben respektlos gegenüber einer Minderheit der Grüscher Bevölkerung ist und auch den Anstössern der Gemeinde Seewis-Pardisla einiges zumuten würde. Das Verkehrskonzept mit einem Lastwagenkorridor zwischen Seewis-Valzeina durch den Chlustunnel nach Landquart wird zudem tausende Verkehrsteilnehmer betreffen, weil das heute schon grenzwertige Verkehrsaufkommen auf der A 28 die Gesundheit und Sicherheit im vorderen Prättigau und im Naherholungsgebiet Ganda beeinträchtigt. Eine Liste mit all den Nachteilen, die wir hier in Valzeina seit der Selbstaufgabe hinnehmen mussten, würde in diesem Beitrag zu weit führen, und könnte zudem als einseitige Kampfansage gegen den in der Vergangenheit wenig sensibel agierenden Gemeindevorstand von Grüsch verstanden werden.

Michael Balzer, Valzeina

Kommentar schreiben

Kommentar senden

Sehr geehrter Herr Balzer

Bezugnehmend zu Ihren Äusserungen im Projekt Unterirdischer Steinbruch Valzeina nehmen wir gerne Stellung.
Im Projekt ist primär geplant, unterirdisch Gestein abzubauen. Das abgebaute Gestein soll zu Baustoffen weiterverarbeitet werden, um den regionalen Bedarf an Baustoffen zu decken, z.B. für private Hochbauten, öffentliche Bauten und Infrastrukturbauten. Mit dem unterirdischen Abbau kann die Versorgungssicherheit mit Baustoffen für die nächsten drei bis vier Generationen sichergestellt werden. Gleichzeitig wird im Kanton Graubünden benötigten Deponieraum geschaffen. Bei der zur Deponierung vorgesehenen Materialien geht die Bandbreite von sauberem Aushubmaterial (Deponietyp A) bis zu Filterasche (Deponietyp D). Unter Auflagen würden nur zugelassene Materialtypen gemäss der Verordnung über die Vermeidung und Entsorgung von Abfällen (VVEA) vom Bundesamt für Umwelt eingelagert. Diese Verordnung definiert die Anforderungen an die zu erstellende Deponie, wie auch jene an die Deponiematerialien.

Das abgebaute Gestein soll zur weiteren Verarbeitung zu Baustoffen mittels Lastwagen in das Kieswerk Tardis in Landquart überführt werden. Dies führt zu ca. 60 bis 106 Einzelfahrten am Tag. Dabei ist die Anzahl Deponiefahrten miteingerechnet. Im Rahmen des laufenden Bewilligungsprozesses wurde der Einfluss des Projektes auf das Verkehrsaufkommen untersucht und festgestellt, dass die Auswirkungen marginal sind.

Unser Vorhaben ist der Schweizer Gesetzgebung unterstellt. Der gesamte Bewilligungsprozess wird von kantonalen Ämtern und den zuständigen Stellen beim Bund detailliert geprüft.

Des Weiteren haben wir uns bewusst entschieden, das Projekt im Untertag zu planen, um Emissionen und Immissionen auf ein Minimum zu reduzieren. Die Gemeinde generiert Einnahmen, neue Arbeitsplätze werden, in der geplanten Firma mit Sitz in Grüsch, geschaffen.

Zu guter Letzt ist das ganze Projekt in einem demokratischen Prozess eingebunden, das letzte Wort werden die Stimmbürger haben. Wir stellen uns dieser Abstimmung in der Überzeugung, dass wir ein sinnvolles und ausgewogenes Projekt ausgearbeitet haben.

Endrio Bütler, Leiter Strategische Projekte KSB Produktions AG

Sehr geehrter Herr Bütler

Ihrer Argumentation will ich mit einer Ausnahme nichts entgegenhalten. 60-106 LKW-Einzelfahrten pro Tag zusätzlich sind nicht marginal, nur weil das Verkehrsaufkommen heute schon an Spitzentagen bei 17'000 Fahrzeugen liegt. Die von Ihnen erwähnten 100 LKWs werden während den Arbeitszeiten zwischen 7 und 17 Uhr unterwegs sein, also ca. alle sechs Minuten ein zusätzlicher LKW. Erlauben Sie mir dazu die Frage, ob absehbare Strassenschäden, verursacht durch die schwer beladenen LKWs nach dem Verursacherprinzip gedeckt sein werden? Sie wissen, was das alleine für die Sanierungsintervalle im Chlustunnel bedeuten würde. Mir ist absolut klar, weshalb ein Zugang zum Steinbruch ausserhalb der Chlus für das Unternehmen nicht in Frage kommt, obwohl es technisch, wie auch aus verkehrspolitischer Sicht die einzig vertretbare Lösung wäre. Wenn das Vorhaben für die regionale Versorgungssicherheit so wichtig ist, dann stellt sich doch die Frage, ob nicht ein Bahnanschluss gerechtfertigt wäre. Vermutlich wurde dieser Ansatz gar nicht weiter geprüft, da die Finanzierung dabei weniger der öffentlichen Hand zugeschoben werden kann.

Michael Balzer