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Leserbrief

Gott in der Präambel, neue Verfassung Landschaft Davos

Jean-Claude Arnold Cantieni,
07. September 2019, 11:21:55

'Was fehlt, wenn Gott fehlt', fragte die zürcherische reformierte Kirche aus Anlass 500 Jahre Reformation. Was fehlt, wenn Gott in der Präambel zur neuen Verfassung fehelt, fragen sinngemäss Davoserinen und Davoser.

Verfassungen eine Präambel, welche besagt, was der dürre Text sagt, voraus zu schicken, geht bis auf die abendländische Antike zurück, doch die Tradition wurde in der Französischen Revolution geknickt. Der Text des Gesetzes sollte sich von nun an selbst interpretieren. Ob er so noch zu überzeugen hat? Der gute Arzt lehrt seine Patienten Einsicht in in ihr Übel, und er überzeugt sie erst danach , seine Rezeptur zu akzeptieren. Der (Verfassungs-)Gesetzgeber hat seine Adressaten so eher auf den Gesetzesbuchstaben einzustimmen, denn seine Gewalt auszuspielen. Im Buchstaben steckt der Stab, welcher über einem Delinquenten einst gebrochen ward. Er war deshalb mit Wörtern wie Natur, Gottgefälligkeit, Vorsehung ... eingekleidet, um den rigiden Befehl zu 'verkleiden'. Sie geben ihre Freiheit dem Worte zurück, das sich sonst von aller Freiheitlichkeit verabschiedet

Der Staat baut bekanntlich auf Voraussetzungen, die er nicht fugenlos zu garantieren hat. Das erscheint als paradox, geht er ja davon aus dass er alle Lebensinhalte zur Rechtsfrage zu erklären hat, und hier, einer Leerstelle, kommt Gott als das 'lebensdienliche Symbol für alles Voraussetzen freien Lebens, das niemand selbst zu garantieren hat (Fr. W. Graf), ins Spiel. Menschen brauchen ein 'Lebensdienliches', welches Freiheits-Garantien durch Qualiitätslabels ... ihrerseits nochmals vorausgeht. Der Richter begnadet zwar, sind die Voraussetzungen gegeben, indem er auf eine Sanktion zurückkommt, doch das Urteil, Kainszeichen (s)eines Urteils bleibt, während Gott in seiner ihm zugedachten absoluten Freiheit einen 'Sünder' in die Gesellschaft nach den Evangelien zugleich zurück führt. Ein Nennen Gottes in einer Verfassung hat nicht zuletzt an einen weiteren Freiheitsbegriff als den zu erinnern, welchen unser Gesetzestext eines Staates zu fassen hat, der akribisch Verurteilen in Strafregistern statistisch erfasst, doch keineswegs gleichermasen darüber Buch führt, wer, wie, wann aus einem Strafvollzuge in die Freiheit zu entlassen ward. Weil das Wort in seinem Reichtum fehlt, wirbt Fr. W. Graf dafür, das fehlende Wort für effektive Freiheit, Gott mit dem Gebet zu überbrücken.Wir wissen nicht, ob Freiheit 'an sich' existiert, doch wir wissen, dass es nichts gibt, das nicht gegeben ist.

Jean-Claude A. Cantieni

Zum Artikel: So, Freitag 6. September a.c. Titelseite

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