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Leserbrief

Fusion Haldenstein - Chur

Annina Giovanoli,
05. September 2019, 18:11:27

Schützenswerte Eigenständigkeit von Haldenstein
Haldenstein, eine Gemeinde am Fusse des Calanda, auf der linken Talseite des Rheins. Das Haufendorf mit einem idyllischen Ortsbild von nationaler schützenswerter Bedeutung beheimatet zurzeit rund tausend Menschen und ist Standort von über 20 grösseren und kleineren Gewerbebetrieben mit einer überdurchschnittlichen Anzahl an Arbeitsplätzen. 82 Mädchen und Buben werden in einer kompetent geführten Dorfschule unterrichtet und an die 25 aktive Vereine bilden ein gesellschaftliches Netzwerk, eingebettet im kostbaren Naherholungsgebiet der Gemeinde. Die Gemeindekasse ist im Lot und engagierte Personen bilden seit Jahrzehenten das Gemeindegremium. Die stimmberechtigte Einwohnerschaft darf mehrmals jährlich an Gemeindeversammlungen die direkte Demokratie ausüben. Eine Selbstbestimmung, die die Haldensteiner vor etwas mehr als 200 Jahren hart erkämpfen mussten, damals als der Freiherr von seinen Untertanen jährlich noch den Zehnten einforderte. Bis im Jahre 1803 war Haldenstein ein eigener Kleinstaat und bietet heute in besonderer Weise geschichtlich kulturelle Ressourcen an, die genutzt werden wollen. Ein autonom geführtes und mit dem Label „Energiestadt“ ausgezeichnetes Dorf mit einer eindrucksvollen Schlossanlage, beobachtet von drei nicht wegzudenkenden Burgruinen, bietet Hand an seine Stärken und Entwicklungsmöglichkeiten zu glauben. Urban und trotzdem ländlich gelegen macht die operative Zusammenarbeit mit der angrenzenden Bündner Kantonshauptstadt Chur durchaus Sinn. Dafür muss die Gemeinde jedoch ihre Eigenständigkeit keinesfalls aufgeben. Im Gegenteil, Haldenstein kann sich absolut und souverän weiterentwickeln. Verbunden mit neuem Gedankengut und dem Mut einer zeitgemässen Professionalisierung offen gegenüber zu stehen, ohne dabei die Selbstbestimmung aufzugeben. Dies soll unser Ziel sein.

Annina Giovanoli, Haldenstein

Zum Artikel: Pro Haldenstein

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Ich habe in Haldenstein noch keinen hässlichen Flecken gesehen, nicht einmal das Industrieviertel, ganz im Gegensatz zu Chur. Wenn Chur jemals Stadtplaner hatte, frag ich mich, was die zum Frühstück geraucht haben. Da gibt es wenige kohärente Viertel und je neuer, umso chaotischer. Ein Besucher aus Deutschland meinte mal, dass bei uns wohl alles ginge. Das widerspiegelt sich auch in unserem (nicht existierenden) Verkehrskonzept. Man meint wohl, dass man dieses Chaos mit einer Altstadt kompensieren kann, und die ist tote Hose.
Und es wird immer noch gebaut und im gleichen Stil, also ob es kein Morgen gäbe. Der Ökonom Kenneth E. Boulding sagte „Jeder, der glaubt, exponentielles Wachstum kann andauernd weitergehen in einer endlichen Welt, ist entweder ein Verrückter oder ein Ökonom.“ Dies gilt vor allem für Land. In 20 Jahren wird in Chur alles verbaut sein, was man verbauen kann. Man hat keinen Langzeitplan und man hat dann ja genügend Naherholungsgebiete in Maladers, Haldenstein und anderen Gemeinden, die man bis dann einverleibt hat. Und dann muss man vielleicht doch umzonen. Das alles würde nicht ohne Konsequenzen für Haldenstein sein. Solange es nicht anders geht, würde ich nicht mit Chur fusionieren.