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Leserbrief

Leise Angst vor lauten Stimmungsmachern

Werner Kälin,
03. Juni 2019, 10:05:58

Parkierung in Glarus, Stau im Klöntal oder Lärmschutz in Mitlödi: Erstaunlich, wie konsequent wir beim Verkehr dem Verkehr aus dem Weg gehen. Wer den Artikel über den Lärmbetroffenen liest, erfährt zwar, dass der Kanton die Lärmschutzverordnung nicht einhält. Was er nicht erfährt: Während Schweizer Kantone und Gemeinden Steuergelder für Fenster, Strassenbeläge oder Schutzwände in die Hand nehmen müss(t)en, kaufen und fahren die Menschen immer mehr Autos. Seit 1985 haben die Personenwagen im Kanton Glarus um 77% zugenommen, die Bevölkerung um gut 4% gewachsen. Die Lärmschutzverordnung ist 1987 in Kraft getreten. Bei soviel Autos mehr wird jede Lärmschutzmassnahme der öffentlichen Hand sofort von neuem, privat verursachten Lärm geschluckt.

Wie im Artikel zu erfahren, taugen Schallschutzfenster nicht gegen Lärm. Tauglich sind Massnahmen an der Lärmquelle, der Strasse. Mal ehrlich: Die Fahrzeuge sind die Quelle. Und die werden nicht nur mehr, sie werden auch grösser und lauter. Lauter werden viele künstlich gemacht: durch Klappenauspuffe, Soundgeneratoren oder Löcher im Auspuff. Betroffene und Polizei haben kaum juristische Handhabe oder personelle Kapazität, dem Problem zu begegnen.

Die Kosten und gesundheitlichen Folgen des privat verursachten Lärms müssen die Öffentlichkeit und die Betroffenen bezahlen. Das Geld verpufft in kaum wirksamen Massnahmen. Wirksam ist aber, Hersteller, Händler und Lenker in die Pflicht zu nehmen. Der Trend ist aber seit Jahrzehnten umgekehrt. Für den Kampf dagegen steigt kaum ein Politiker in den Ring, der eine Karriere über die laufende Legislatur hinaus anstrebt.

Aussichtslos ist die Lage aber nicht. Allem voran können wir uns vom Auto emanzipieren sowie bewusster, effizienter, leiser und respektvoller fahren. Wir können bei Händlern nach leiseren Fahrzeugen und Pneus nachfragen sowie unser Umfeld sensibilisieren. Die Medien können mehr und andere Hintergründe beleuchten – mit genügend vorhandenen Zahlen über gesundheitliche sowie volkswirtschaftliche Folgen und mit Vergleichen zu anderen Regionen. Und nicht zuletzt braucht es lokal und national tätige Politiker, die sich furchtlos für fortschrittliche Mobilitätsmodelle einsetzen sowie selbstbewusste Behörden, die den Dialog in der Bevölkerung ankurbeln.

Zum Artikel: Ausgabe GL vom 25. Mai 2019: zum Artikel «Lärmen bis das Geld fliesst»

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