×
Leserbrief

Die Ausbeutung des Rotwildes

Carlo Mani,
16. Mai 2019, 16:39:39

Herr Regierungsrat Cavigelli, das jährlich wiederkehrende Gejammer vor, während und nach der Hochjagd betreffend Sonderjagd sind wir überdrüssig. Bei Ihnen und Ihren Amtsstellen fehlt es am Willen etwas verändern oder auch nur bewegen zu wollen. Der Kanton hatte mehr als 30 Jahre Zeit, die Problematik zu lösen, stattdessen wurde sie ignoriert. Ihr Taktieren im Hinblick auf die bevorstehende Abstimmung, welche Sie auf fragliche Art und Weise herausgezögert haben, inklusive Drohung, bei Abschaffung der Sonderjagd eine Regiejagd einzuführen, entbehrt jeglichem von einem Regierungsrat erwarteten Demokratieverständnis. Sie sind nicht länger tragbar. Bekunden Sie etwa auch Mühe mit einem möglichen Volksentscheid gegen Ihre Meinung?
Jetzt ist die Zeit für Änderungen gekommen. Das Hin und Herschieben der Probleme zwischen dem Jägerverband, den Jägern (Andersdenkende gleich Nestbeschmutzer) und dem Amt für Jagd und Fischerei (Alleskönner) glaube ich, hat die nicht jagende Bevölkerung in diesem Kanton gründlich satt. Sie wartet auf Taten; egal wie die Abstimmung vom 19. Mai auch ausgehen wird, Sie haben keinen Plan B.
Fragen über Fragen:
1. Intransparente Wildbestände
Unerklärlicher Weise werden die Wildbestände vom Amt für Wald anders dargestellt als beim AJF. Der ständige Kampf zwischen Jägern und Jägerverband (z.B. DV BKPJV alle Jäger sind für die Sonderjagd / Andersdenkende werden ausgegrenzt) ist nicht zielführend. Damit will ich aufzeigen, dass wir in diesem Kanton ein Kommunikationsproblem haben. Versuchen wir es auch hier, der Bevölkerung offen, transparent und klar aufzuzeigen, was wirklich abläuft.
Sie als Amtsvorsteher sollten agieren und dem Amt für Jagd und Fischerei entsprechende Vorgaben machen. Z.B. in Ergänzung zum Pilotversuch im Prättigau Fakten zu liefern Betreff: Verhalten der Jäger, getätigte Abschüsse durch die Wildhüter im Vergleich mit den Jägern detailliert nach Alter, Geschlecht, Fehlabschüssen, Anzahl positiven und negativen Nachsuchen.
Ich behaupte, dass die Zielsetzung des jeweiligen Abschussplans auf Rotwild auf der ordentlichen Jagd nicht erreicht werden kann. Das bedeutet, dass zur Zeit der Septemberjagd sich gar nicht so viel jagdbares Wild ausserhalb der Wildasyle aufhält. Damit ist der Beweis erbracht, dass es bei der Abschussplanung nicht um den Wildbestand geht, sondern vielmehr um die Finanzen.
Wie hohe Wildbestände sind aus wildbiologischer Sicht vertretbar? Welche Jagdnutzungsfläche wurde in den letzten 15 Jahren durch neue Wildasyle (Auf der Hochjagd verbotener Rotwildabschuss) der Jägerschaft weggenommen? Wird die «nachhaltige» Jagd statt über die Wildbestände über die Finanzen gesteuert? Empfehlung: Einführen einer Abschussliste für den 1. Jagdblock der Hochjagd und eine zweite für den 2. Jagdblock mit elektronischer Auswertung durch die Jagdaufsicht (zeitgemässe Arbeitsweise). Die Abschussliste des 1. Jagdblocks ist in der jagdfreien Woche auszuwerten, um die Ergebnisse bzw. der noch zu tätigende Abschuss (z. B. beim Rotwild) im 2. Jagdblock direkt in den Jagdbezirken einfliessen zu lassen und gezielte Massnahmen durch Öffnen von ganzen Asylen wo grosse Kahlwildansammlungen beobachtet werden, einzuleiten.
2. Erweiterte Asylbewirtschaftung:
Durch die anwachsende Wolfspopulation ist die Wildasylpolitik auf kurz oder lang neu zu regeln, denn der Wolf kennt keine Asylgrenzen. Empfehlung: Die Asyle sind verstärkt zu bewirtschaften weit über weiche Grenzen oder Austreibungen hinaus. Das Rotwild ist in der Lage auf solche Massnahmen direkt zu reagieren und sich entsprechend zu verhalten. Die Wildasyle sind nach der Auswertung der Abschussliste in den Jagdbezirken temporär alternierend dort zu öffnen, wo sich das Kahlwild durch den vorausgehenden Jagddruck angesammelt hat. Parallel dazu braucht es auch gewisse Einschränkungen (z. B. der Abschuss von männlichem Rotwild ist in dieser Zeit im betroffenen Asyl verboten). Beim Nationalpark, welcher unter einem besonderen Status steht, sind die Bestimmungen für die Regulierung des Rotwildbestandes entsprechend anzupassen. Es kann ja nicht sein, dass der Rest des Kantons sich dem SNP unterzuordnen hat.
3. Einführung der Regionalisierung (keine Revierjagd!!!), eindämmen des Jagdtourismus
Begründung: Wildhut und Jäger ziehen am gleichen Strick, um anstehende Aufgaben gemeinsam zu lösen und das Vertrauen dem Jäger zu geben, dass er auch verdient. Dadurch können die Probleme direkt in den Regionen gelöst und entsprechend umgesetzt werden. Die Bündnerjagd ist in den letzten Jahren zu einem von administrativen Vorschriften diktierten (z. B. Jagdbetriebsvorschriften) Moloch verkommen, welche die vorgegebenen Abschüsse zusätzlich erschweren oder verunmöglichen.
4. Gesamtkosten des Jagdregals im Kt. Graubünden:
Die Jagd muss bekanntlich selbsttragend sein. Dies bedeutet, dass Einnahmen und Ausgaben aus dem Jagdregal transparent und lückenlos der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, damit die Gegenüberstellung der einzelnen Jagdarten überhaupt möglich wird. Einnahmen und Ausgaben des AJF sind dabei getrennt nach Fischerei und Jagd darzustellen.
Subventionen aus der Bundeskasse oder Institutionen sind ebenfalls aufzuzeigen. Die gängige «Betriebsrechnung Jagdregal» ist zurzeit intransparent und unvollständig. Forderung: Das Amt für Jagd und Fischerei ist zu beauftragen, jährlich 20 %-25 % Einsparungen vorzunehmen. Aufgaben, welche mit dem Jagdregal oder der Jagdpolizei nichts zu tun haben (Pilzkontrollen usw.) sind zu unterlassen.
Persönliche Feststellung:
Dem Baudepartement sind das Amt für Wald und Naturgefahren sowie das Amt für Jagd und Fischerei angegliedert. Vor der Umstrukturierung der Departemente war dem nicht so. Das Amt für Jagd und Fischerei war dem Justizdepartement angegliedert. Dadurch wurden die beiden Ämter von zwei Departement-Chefs geführt. Somit wurden die Interessen anders gewichtet und vertreten. Heute wage ich zu sagen, dass Ihr Departement in einem Interessenskonflikt steckt und dadurch die genannten Ämter in Sachen Bundesbeiträge in einem Dilemma sind. Die Antwort aus Ihrem Departement liegt erfahrungsgemäss bereits vor, sie lautet in etwa «die Forderungen passen nicht ins Konzept oder sind nicht umsetzbar..» wie in so vielen vorausgegangenen Beiträgen zum Thema «Sonderjagd». Sie können an der bevorstehenden Abstimmung bzw. deren Vorphase nicht sagen, Sie hätten von nichts gewusst, oder es seien keine Beiträge zur Lösung des Sonderjagdproblems beim Departement eingegangen.
Herr Regierungsrat zeigen Sie Führungsstärke und Durchsetzungsvermögen bei Ihren Ämtern. Die andersdenkenden Jäger zur Sonderjagd, welche Sie jeweils ignorieren, war immer bereit, einen Beitrag zu leisten, sind aber wie bereits im Eingang der erwähnten Problemfelder von Ihren Ämtern und dem BKPJV mehrheitlich ausgegrenzt worden. Die ins Konzept passenden Beiträge wurden der Bevölkerung jeweils in Eigenlob als Idee vom AJF vorgegaukelt. Beispiele gibt es genügend.

Carlo Mani aus Zillis

Kommentar schreiben

Kommentar senden

Danke Carlo Mani, treffender kann man es nicht beschreiben. Wo kein Wille ist, gibt es auch keine Lösung. Du sagst es richtig.
Die Amtsstellen halten es nicht für nötig Argumente entgegen zu nehmen, geschweige denn noch zu besprechen. War auch an den Podiumsgesprächen so, es gab nur Orientierungen seitens der Amtsstellen und Drohungen an anders denkende. Das kann nicht sein und muss sich das Volk nicht gefallen lassen..

Herr Mani. Ich teile ihre Meinung zu 100%. Es gibt bei der Jägerschaft und vorallem in der kantonalen Verwaltung Personen, die partout nichts ändern wollen, geschweige denn sich an einer konstruktiven Lösungssuche beteiligen. Das beste Beispiel dabei ist die Regierung. Diese hat sich doch erlaubt, die Initiative für ungültig zu erklären. Warum wohl, weil sie ihr nicht in den Kram passte. Es ist ein Armutszeugnis, dass die Initianten bis vor Bundesgericht für ihr Recht kämpfen mussten. Die beim Kanton hängengebliebenen Kosten müsste man eigentlich den Regierungsmitglieder privat aufbürden. Die Volksrechte wurden hier mit den Füssen getreten. Das geht mir voll auf den Sack.
Dieses Wochenende ist die Abstimmung. Ich rufe die Bevölkerung auf, die Initiatve mit einem JA zu unterstützen, damit anschliessend konstruktiv nach neuen Lösungen gesucht werden kann. Es führt nicht nur ein Weg nach Rom, so auch bei der Sonderjagd. Es fehlt nur bei gewissen Leuten am Willen. Derartige Personen sind in ihrer Funktion fehl am Platz und sollen bitte gleich ihren Stuhl räumen.