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Leserbrief

Sonderjagd

Martin Maissen,
08. Mai 2019, 16:36:05

Andersdenkende sind nicht erwünscht
In Ilanz hat am 7. Mai eine Podiumsdiskussion über die Sonderjagdinitiative stattgefunden, an der Diskussion waren zwei Experten, ein Befürworter und ein Gegner der Abschaffung der Sonderjagd beteiligt. Anwesend im Saal waren fast nur Jäger.
Der Anlass wurde durch den Diskussionsleiter geführt, vorgestellt hat er sich mit Namen nicht. Die beiden Experten haben die aktuelle Situation mit Zahlen und Fakten dargelegt. Anschliessend haben der Gegner und der Befürworter die bereits mehrmals publizierten und bekannten Standpunkte vorgetragen.
Der Diskussionsleiter eröffnete erneut die Fragerunde, man durfte sich kurz vorstellen und anschliessend nur eine Frage formulieren, explizit nur Fragen, keine Diskussion. Erstaunlich, Sonderjagd-Befürworter und BKPJV Vorstand beanstanden immer wieder, dass die Sonderjagd-Gegner keine Vorschläge bringen, wie die Reduktion des Hirschbestandes möglich wäre, ohne November und Dezemberjagd. Wie soll dies möglich sein, wenn es nicht zugelassen wird? Da Argumente diesbezüglich in Diskussionspodien der Jägerschaft nicht möglich sind, wende ich mich an die Nichtjäger und bitte Sie, folgende Überlegungen in Ihrer Entscheidungsfindung betreffend Abstimmung über die Sonderjagd zu berücksichtigen.
Es hat zu viele Hirsche, da sind sich fast alle einig, aber auch weshalb die Zunahme erfolgte. Ein paar Eckdaten:
Die Hirsche sind vor ca. 100 Jahren bei uns eigewandert.
Durch Fütterung und Ausscheiden von Wild-Asylen hat die Hirschpopulation rasant zugenommen und das ohne bewirtschaftete Alterspyramide
Nach ca. 50 Jahren sind bereits die ersten Probleme um den Nationalpark aufgetreten.
Die Hirschpopulation und die damit verbundenen Schäden haben sich auf das ganze Kantonsgebiet ausgebreitet
Mit dem Ansteigen der Schäden an der Landwirtschaft wurde reagiert. Die Jäger wurden ermutigt, den Finger am Abzug locker zu halten. Auf Hirsche bitte schiessen war die Devise, fiel eine nasse Kuh, musste diese bis zur nächsten fahrbaren Strasse transportiert und gemeldet werden, ohne zusätzliche Kosten.
In den darauffolgenden Jahren wurde dann ein Unkostenbeitrag von 50.00 bzw. 80.00 CHF erhoben.
Die Sonderjagd wurde eingeführt und so eine Geldquelle erschlossen und mit fadenscheinigen Argumenten bis zum heutigen Tag verteidigt. (Abschussplanung, Geschlechtsverhältnisse, Alterspyramide usw.)

Um den Hirschbestand zu reduzieren wurde der erste Schritt rückgängig gemacht, welcher zur Bestandserhöhung beitrug (Fütterungsverbot). In einem zweiten Schritt müsste die Anzahl Asyle um mindestens die Hälfte reduziert werden. Damit würde eine Feinverteilung bereits im Sommer stattfinden und der Hirschbestand könnte während der Septemberjagd auch durch Unterschutzstellung von Kälbern und säugenden Kühen massiv reduziert werden. Die Hirsche würden in absehbarer Zeit in kleineren Gruppen leben und würden zum grossen Teil zu Standwild. Die Folgen, weniger Hirsche, weniger Waldschäden, weniger Wölfe, und fast alle wären glücklich, ausser die Sonderjäger und die Nationalparkverantwortlichen.
Die Frage ist, was riskierten wir dadurch, wir wissen, dass der Hirschbestand von Null innert 50 Jahren ohne Bewirtschaftung der Alterspyramide rasant zugenommen hat, sollte der Bestand zu stark schrumpfen, könnte dies im Verlauf von wenigen Jahren korrigiert werden.
Probleme bekämen vielleicht die Nationalparkverantwortlichen mit dem Hirschbestand, das kann uns Patentjägern egal sein, die Parkverantwortlichen sollen ihr Problem, wenn sie wollen, in Regiejagd lösen, aber bitte auf eigene Rechnung. Ich stimme am 19.Mai mit Überzeugung JA für die Abschaffung der Sonderjagd.
Martin Maissen aus Danis

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Ich muss dich voll und ganz unterstützen Markus, auch ich war an einer Podiumsdisskusion in Chur, wenn man dies überhaupt so nennen kann, weil eben, Disskusion wurde nicht zugelassen.
Es gab lediglich Erklärungen warum die Jagd so sein müsse, Vorschläge der Befürworter der Initiative wurden nicht entgegen genommen, damit auch nicht eine Disskusion entstehen könnte. Ich finde es beschämend, dass man nicht bereit ist gemeinsam einen gangbaren Weg zu suchen, aber erstaunt ja auch nicht, wenn schon die Initiative von den gleichen Stellen für ungültig erklärt werden sollte....