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Leserbrief

«Frühlings Erwachen» gespielt von Junges Theater Graubünden

Lisa Janisch ,
16. April 2019, 13:40:52

Frühlings Erwachen ist auch im Jahr 2019 eine Herausforderung für Jugendliche. Klippen, Verunsicherungen und Irritationen sind zu bewältigen. Im Leben wie im Theater. Das Junge Theater Graubünden hat unter der Regie von Fiona Schmid und der Dramaturgin Martina Mutzner Themen wie Repression gegen Jugendliche, Gewalt, Leistungsdruck, sexuelle Unterdrückung, Homosexualität, Aufklärung und Suizid pointiert und engagiert auf die Bühne gebracht. Das Spiel zwischen Wedekinds Text aus der wilhelminischen Zeit und den aktuellen Bezügen spiegelt die Verwirrung bezüglich der Werte und Normen auch der heutigen Jugendlichen sehr anschaulich.
Teenager wandern auf dem schmalen Grat zwischen ihren romantischen Vorstellungen wie eine Beziehung sein sollte, gesellschaftlichen Werten und Normen sowie den Bildern aus der Fantasiefabrik der Pornoindustrie. Das Stück zeigt diese Zerrissenheit und die Spannung, der die heutigen Jugendlichen ausgesetzt sind, sehr gut. Auch die Leere, Einsamkeit und Not rund um die sexualisierenden Medien waren sichtlich spürbar. Und die Sexualaufklärung der Eltern oder in der Schule ist auch heute noch oftmals schambesetzt und wenig unterstützend.
Die Aktualisierung des Stoffes an die heutige Zeit und die aktuelle Umgangssprache der Jugendlichen ist erfrischend. Sie haben sich mit diesen Themen vertieft auseinandergesetzt und die Gestaltung der einzelnen Szenen in Verbindung mit ihren Erfahrungen mitbestimmt. Dies stärkt die Jugendlichen in ihrer Persönlichkeit. Der Mut der spielenden Jugendlichen, sich diesen Themen zu stellen, hat nicht nur uns angesprochen. Die Adaption des Stoffes ist beim Publikum sehr gut angekommen und das junge Premierenpublikum bedankte sich mit einem tosenden Applaus.

Christian Conrad und Lisa Janisch, Aids-Hilfe Graubünden, aus Chur

Zum Artikel: Mit Spielfreude gegen die Ahnungslosigkeit

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