×
Leserbrief

Krätllis einseitige Interpretation

Rico Kienz,
26. März 2019, 08:26:35

Krättlis einseitige Interpretation

Interpretationen von Abstimmungsresultaten sind wie Statistiken, d. h. nur richtig für den, der sie selber vornimmt.

Ein Beispiel dafür:

SVP-Nationalratskandidat Ronny Krättli ruft die Wählerinnen und Wähler in Graubünden dazu auf, bei den nächsten Nationalratswahlen daran zu denken, wer sich in Bern für die Beibehaltung der Wasserzinsen eingesetzt habe und verweist dabei auf die entsprechenden Abstimmungen. Einfluss nehmen kann man bekanntlich nur dort, wo man auch dabei ist. Leider ist die FDP Graubünden momentan im Nationalrat nicht vertreten, aber es folgen zum Glück bald Erneuerungswahlen.
Was Herr Krättli verschweigt ist die Tatsache, dass der Antrag zur Senkung des Wasserzinses von einer Minderheit der nationalrätlichen Energiekommission eingereicht wurde. Diesem, von 10 Mitgliedern unterzeichnete Minderheitsantrag, gehörten 5 Nationalräte, also die Hälfte, der Schweizerischen Volkspartei (SVP) an. Der Partei, für die auch Herr Ronny Krättli kandidiert. Für ein Umdenken bei der SVP war der Waliser Nationalrat Franz Ruppen verantwortlich. Zitat aus der Debatte: „Ich habe dann aber in der Fraktion als Vertreter der dortigen Minderheit eine Kehrtwende herbeigeführt“.
Trotzdem fand der Minderheitsantrag gerade bei der SVP-Fraktion gleichwohl noch am meisten Zuspruch. Gemäss Abstimmungsprotokoll unterstützten mehr Mitglieder der SVP als von der FDP diesen Antrag. Eine mögliche Interpretation des Vorgangs könnte also sein, dass die beiden Bündner SVP-Vertreter in Bern sich nicht gebührend für die Wasserzinsen engagierten oder in der eigenen Partei wenig zu sagen haben. Daraus kann wiederum die Frage abgeleitet werden, ob es sich lohnt solche Kandidaten, die immerhin 40 % des Bündner Einflusses im Nationalrat wahrnehmen, wieder zu wählen?
Einig bin ich aber mit Herr Krättli darin, dass sich das Bündner Stimmvolk nicht von schönen Worten, aber auch nicht von Halbwahrheiten beirren lassen wird. Deshalb soll unbedingt wieder ein FDP Nationalrat nach Bern.

Rico Kienz, FDP-Grossrat aus Ramosch

Zum Artikel: Leserbrief vom 25.03.2019

Kommentar schreiben

Kommentar senden

Sehr geehrter Herr Grossrat Kienz, laut einer Studie glauben 68% der Menschen jeden Mist (auch Ihren), wenn man ihn mit einer Studie einleitet und erfundene Prozentzahlen nennt (Zitat Florian Signer)!