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Leserbrief

Absurdes Verbot für Wildfütterung im Prättigau

Fida Willi,
05. Februar 2019, 10:15:57

Das Fütterungsverbot für Schalenwild, seit Herbst 2016 in Kraft, gilt im Prättigau bis 2021. Dies ungeachtet der Schneemengen im vergangenen und in diesem Winter. Das Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit (ALT) begründet es mit der Einschleppungsgefahr von Tuberkulose durch Wild aus dem Vorarlberg. Das ist absurd: Glaubt man in den Churer Amtsstuben im Ernst, österreichische Wildtiere würden sich durch meterhohe Schneemassen kämpfen, weil ihre Artgenossen auf der Bündner Seite gefüttert werden? Der niedrigste Übergang liegt notabene auf 2137 Meter über Meer. (Schweizertor)

Das Amt für Jagd und Fischerei (AJF) seinerseits führt wildbiologische Gründe für das Fütterungsverbot an. Allerdings sieht das kantonale Jagdgesetz Ausnahmen vor: Notfütterungen sollen vermeiden, dass Hirsche und Rehe die Einstandsgebiete verlassen und im Tal nach Futter suchen. Weshalb das Tuberkulose-Risikogebiet davon ausgenommen ist, bleibt schleierhaft. Und wie, mit Verlaub, verhindert das ALT eigentlich die Ansteckungsgefahr im Sommer?

Gemäss Publikationen im Bezirks-Amtsblatt fährt das ALT mit schwerem Geschütz auf. Verstösse gegen das Fütterungsverbot werden mit Busse bis 20'000 Franken oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr geahndet. Fürwahr eine tolle Verfügung: Wenn Wildtiere verhungern, ist es amtlich bewilligt; wer ihnen helfen will, wird wie ein Schwerverbrecher behandelt.

Notfütterungen bezwecken, das Wild in störungsfreien Zonen zu halten. Bloss: Was unternimmt die Jagdverwaltung, damit das Wild tatsächlich ungestört bleibt? Werden Freerider auch Bussen bis 20'000 Franken angedroht? Und wie steht es mit der Nachjagd, die bis am 20. Dezember dauert? Neuerdings gilt für Hunde die Leinenpflicht. Das mag gut und recht sein, mutet im gesamten Zusammenhang jedoch schon sehr nach Alibiübung an nach dem Motto: «Wir tun ja etwas für das Wild.» Nein, rund um das Fütterungsverbot gibt es allzu viele offensichtliche Ungereimtheiten.

Zum Artikel: Publikationen im Bezirksamtsbatt Prättigau/ Fünf Dörfer, Gemeinden (z.B. Klosters-Serneus usw.)

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