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Leserbrief

Post-Luxusreise: Für den Steuerzahler ein Schlag ins Gesicht

Thomas Bigliel,
30. Januar 2019, 18:02:58

Vor rund einem Jahr flog auf, dass die Postauto AG während Jahrzehnten Millionen von Subventionen ergaunert hatte. Bund, Kantone und Gemeinden wurden über Jahre systematisch hinters Licht geführt. Offizielle Dokumente zeigen: Zwischen 2007 bis 2015 hat die Post rund 100 Millionen Franken vom Steuerzahler erschlichen.

Leider hat die Post aus dem Postauto-Bschiss scheinbar nichts gelernt. Diese Woche wurde bekannt, dass die Swiss Post Solutions für einen zweitägigen Anlass über 100 Kaderangestellte nach Vietnam fliegen liess. Zwar befindet sich in Ho-Chi-Minh-Stadt eine Niederlassung der Post-Tochter SPS, doch rechtfertigt dies eine derartige Luxusreise ins 10'000 Kilometer entfernte Vietnam? Ich finde nicht. Das Verhalten der SPS ist unsensibel und schadet dem Image der Post.

Soll man dafür Verständnis haben, dass eine solche Luxusreise auf Geschäftskosten abgehalten wird? Nein, denn für den Steuerzahler und die Post-Mitarbeiter ist diese Nachricht nach dem Postauto-Bschiss ein Schlag ins Gesicht.

Ich fordere von der Post volle Transparenz und erwarte, dass solche Kaderanlässe in Zukunft in der Schweiz durchführt werden.

Thomas Bigliel, Grossrat FDP Graubünden

Zum Artikel: Swiss Post Solutions hielt Kader-Treffen in Vietnam ab

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Ich kenne diese `Reisli` auch aus der Forschung. Bei uns wurde dann meist ein Ort ausgesucht, an den man als Privatperson nicht hinreisen würde, z.B. Santiago de Chile, Auckland in Neuseeland oder sogar Davos, wo man vom Flughafen kommend zweimal umsteigen muss.
Aus Höflichkeit besucht man die die Vorträge von guten Kollegen, obwohl man genau weiss, was der/die tut. Was vorgetragen wird, wurde in den allermeisten Fällen schon publiziert, d.h. man kann es leicht nachlesen; dafür muss man nicht nirgendwo hinreisen.
Für Discounts werden dann auch meist nur die teuren Hotels angegangen. Meist wird dann noch ein touristisches Programm angehängt, was dann oft als Teil des Business statt als Ferientage deklariert wird. ¨
Dass der persönliche Kontakt so wichtig ist, ist ein Mythos, zumal der erste persönliche Eindruck ja nicht automatisch positiv sein muss. Für junge, angehende Wissenschaftler würde es Sinn ergeben, um erste persönliche Kontakte zu knüpfen, aber für die hat`s meist kein Geld, jedenfalls nicht für weite Reisen.
Im Zeitalter der digitalen Möglichkeiten zur Kommunikation, für die ein Institut zusätzlich und immer vermehrt viel ausgibt, ist das ganze zum grössten Teil eine Riesengeldverschwendung und dient in erster Linie dem Vergnügen und der Eigenwerbung. Die sollten sich einfach schämen. Aber offensichtlich sieht man dies als gegeben an.