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Leserbrief

Leserbrief

Guido Picenoni,
16. Januar 2019, 13:27:12

Fütterungsverbot für Schalenwild
Die Fütterung von Schalenwild ist seit dem 1. Mai 2017 in Graubünden verboten. Hirsche und Rehe dürfen weder aktiv durch Auslegen von Futter noch passiv durch ungeschützte Komposte, Siloballenlager oder Grünabfallsammelstellen gefüttert werden. Denn Wildtiere brauchen im Winter kein Futter sondern störungsfreie Einstandsgebiete, so ein Bericht im „Schweizer Jäger“.
Das im vergangenen Winter erstmals geltenden und kontrovers diskutierten und vom Kanton verordneten Fütterungsverbot sei sinnvoll, sagte Anita Mazzetta, Geschäftsführerin des WWF Graubünden vor den Medien.
«Störungen im Winterlebensraum und das Anlocken durch Grünabfall, Futterstellen oder Futter
aus der Landwirtschaft treiben alljährlich hunderte von Tieren in die Nähe von Verkehrswegen, wo sie Opfer von Unfällen werden.»

Ist es so einfach?? Wildtiere brauchen in einem nicht strengen Winter tatsächlich nicht gefüttert zu werden. Trotzdem benötigen sie im Winter Nahrung! In den Wildruhezonen finden sie zwar Ruhe, Nahrung aber, suchen sie über ihren Geruchssinn. Sie wittern über Kilometer weit entfernte, vermeintliche Futterstellen auf Bauernhöfen und begeben sich dort hin. Nacht für Nacht! Über Strassen hinweg und auch in Siedlungen. Sie finden aber keine Nahrung vor, denn diese ist hinter Zäunen unerreichbar. Es entstehen Treffpunkte zwischen Hirschen und Rindern. Ungewollt werden Kontakte geschaffen und nicht wie eigentlich gedacht, vermieden. Mehr noch. Die Unfallgefahr wird nicht vermieden, sondern gefördert. Zudem verbrauchen diese Tiere für die nächtlichen Wanderungen sehr viel mehr Energie. Diese können sie nicht mehr ersetzen und die Wintersterblichkeit nimmt zu. In höchster Not dringen Rehe und Hirsche auch in Ortschaften vor. Auch hier bin ich überzeugt, dass Gerüche aus Küchen (Salzig, wie süss), welche über Dampfabzüge nach aussen gelangen, wilde Tiere massiv anlocken.

Ist es fair und tierschutzgerecht, wilde Tiere in solche Fallen zu locken?

Wie kann dieses Dilemma entschärft werden? Durch „Mikrofütterungen“ in den Wildruhezonen!
Mein Vorschlag sieht so aus, dass grosszügig verteilte sog. Heunetzsäcke in die Einstände gebracht werden. So entstehen keine Ansammlungen von Wild, die Tiere bleiben aber im Einstand. Energieverschleissende nächtliche Wanderungen bleiben aus und die Sterblichkeit, auch durch Unfälle, sinkt. Freiwillige Helfer findet man übrigens überall genug! Das Wild gewöhnt sich unglaublich schnell an jene Personen, welche Futter in den Einstand bringen und reagieren nicht mit Flucht.

Guido Picenoni, Champfèr

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Bravo Herr Picenoni, ich kann ihr Vorschlag nur in aller Form unterstützen. Wir haben in meiner Jugendzeit und auch später vor allem nachdem wieder Hirsche in unser Tal (Sernftal-Glarus) zurück gekehrt sind, sie im Wald oder am Waldrand gefüttert. Und sie waren uns "dankbar"! Und darum haben wir heute noch Hirsche im Tal und im ganzen Kanton. Mit besten Grüssen ein urchiger" Heiwehglarner".

Danke Herr Picenoni für Ihren aufschlussreichen Leserbrief. Hier spricht jemand der weiss, von was er spricht! Nach den neusten Meldungen über die "Invasion" der Wildtiere um Bad Ragaz und die umliegenden Ortschaften sind Ihre Erkenntnisse und Ratschläge von grösstem Nutzen. Hoffentlich bleiben Sie dran ...